Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Urknall

Das gesamte Universum ist etwa 14 Milliarden Jahre alt, auf unserer Erde existiert Leben seit ungefähr 4 Milliarden Jahren. Bei der Betrachtung dieser Zeiträume wird uns bewusst, dass sie für uns unvorstellbar groß sind. Der Beginn des Universums ist nach den Erkenntnissen der heutigen Wissenschaft auf einen Urknall (Big Bang) zurückzuführen, mit dem alles angefangen haben soll. Und obgleich dabei die Beweisführung der Wissenschaft schlüssig ist, können wir sie doch nicht nachvollziehen. Zu abstrakt ist für uns dieser Urknall mit seinen sich zwangsläufig daraus ergebenden Folgen. Und niemand kann zurzeit sagen, warum es zu diesem Urknall gekommen ist, und vor allen Dingen weiß keiner, was vorher war. Für die Physiker ist der Urknall der Beginn von Raum, Zeit und Materie. Während in der Technik stets der Energieerhaltungssatz gilt, wäre er also beim Urknall außer Kraft gesetzt.

Die christliche Kirche ist da schon weiter. In dem Orientierungspapier »Gemeinschaft und Dienstleistung« vom 18.11.2004 hat eine internationale Theologenkommission des Vatikans erklärt, dass Urknall (Big Bang) und Evolutionstheorie nicht der katholischen Schöpfungstheorie widersprechen würden. In diesem Papier heißt es u.a., dass die Big-Bang-Theorie »tatsächlich die Möglichkeit einer vorausliegenden Phase der Materie nicht ausschließt«. Nachdem also mit dem Paradies kein Staat mehr zu machen war, hat die katholische Kirche nun ganz vorsichtig die Schöpfung durch ihren Gott wieder ins Spiel gebracht. Und der deutschsprachige Sender von Radio Vatikan meldete dazu einen Tag später, dass die Materie vor dem Urknall in anderer Form, als »Schöpfung Gottes«, bereits existiert habe. Demnach ließe sich also der Urknall folgendermaßen erklären: Gott schuf zunächst die Materie (warum eigentlich?), die er dann aber aus unerklärlichen Gründen explodieren ließ, denn nur so konnte es weitergehen. Indes hätte diese Explosion mit den Bedingungen, wie sie beim Urknall vorlagen, definitiv nichts zu tun gehabt. Beim Urknall, der im Prinzip keine Explosion war, und kurz danach lagen Temperaturen von zig Milliarden Grad vor, während bei einer normalen Explosion höchstens ein paar Tausend Grad erreicht werden. Durch solch eine Explosion wäre kein Universum entstanden, nicht einmal ein einziger Planet. Diese vatikanische Idee ist naturwissenschaftlicher Unsinn.

Was war das denn für eine Materie? War es Wasserstoff, war es schon Helium oder ein anderes chemisches Element? War diese Materie fest, flüssig oder gasförmig? Der Hinweis auf Materie allein ist nicht ausreichend, um diese zu charakterisieren. Auch eine göttliche Materie muss chemisch definiert werden können, vor allem wenn es nach dem Urknall sozusagen naturwissenschaftlich weitergeht. Daher könnte es sein, dass der Vatikan nur aus dem Grund von einer Materie, die vor dem Urknall da gewesen sein soll, gesprochen hat, um seinen Schöpfer irgendwie an den Erkenntnissen der Wissenschaft zu beteiligen. Mit dem gleichen Recht hätte er ebenso behaupten können, auf dem Mars würde eine grüne Mauer stehen.

Und warum hat ein Gott, der doch eigentlich nur unsere Erde erschaffen wollte, gleich ein ganzes Universum entstehen lassen, zumal so ein riesiges? Warum hat er dabei sein Werk mit der ungeheuerlich großen Energie dieses Urknalls angefangen, ging das nicht etwas dezenter?

Die Theologenkommission hat ferner gesagt, Gott habe verursacht, dass die Bedingungen verwirklicht worden sind, die für die Entstehung und den Bestand lebender Organismen notwendig waren. Folglich muss er damals ein herausragender Atomphysiker gewesen sein, da die quantenmechanischen Gesetzmäßigkeiten die theoretische Basis für den Aufbau jeder Materie sind, jedenfalls von derjenigen hier auf Erden. Allerdings ließ er sich bei seinen Plänen ganz schön Zeit. Denn nach dem Urknall dauerte es noch 10 Milliarden Jahre, bis endlich Leben auf der Erde entstand. In dieser Zeitspanne war das Universum einfach nur da, ein unbeschreiblich großer Haufen von Materie, auf die Dauer höchst einfallslos und langweilig. Da musste Leben entstehen. Und mit Fug und Recht kann man von göttlicher Weitsicht sprechen, da Gott, wenn er der eigentliche Verursacher gewesen sein soll, gewusst haben muss, dass aus dem zu Beginn vorliegenden Wasserstoff am Ende u.a. die sehr komplizierten DNA-Moleküle entstehen werden. Hiermit hat die Kirche Recht, kein einziger Mensch kann sich die vielfältig ineinander greifenden biochemischen Vorgänge unseres Körpers ausdenken, das muss in der Tat ein Gott gemacht haben. Und woher hat der dieses alles überstrahlende Wissen genommen? Denn bei der Biochemie handelt sich um eine höchst komplexe Wissenschaft, in der man mit Göttlichkeit nicht weit kommt.

Die Kirche hat den Wissenschaftlern mit der Behauptung einer »vorausliegenden Phase« wieder eine Aufgabe gestellt. Generationen von Astronomen werden jetzt versuchen, herauszufinden, was das wohl war. Und was wird aus der neuen theologischen Lehrmeinung, sollte sich eines Tages wissenschaftlich herauskristallisieren, was wirklich vor dem Urknall existiert hat? Oder dass es den Urknall gar nicht gegeben hat? Dann gibt es eben wieder eine neue. Der Theologenkommission, die ja aus erwachsenen Menschen bestand, oder sollte man richtiger von ausgewachsenen Menschen sprechen, muss man unmissverständlich sagen: Schuster, bleib bei Deinem Leisten.

Nimmt man als Beginn des Universums einen Urknall an, und das tut die heutige Wissenschaft und inzwischen desgleichen die Kirche, so hat nach dem hier Gesagten ein Schöpfer in diesem Modell keinen Platz mehr. Warum sollte ein Schöpfer, um es noch einmal zu sagen, solch einen energetisch extremen Weg nehmen, um ein Universum zu erschaffen, in dem unsere Erde – aus Sicht der Kirche die Hauptsache – lediglch ein Planet unter Milliarden Planeten ist? Und es drängt sich die Frage auf: Was hat dann ein Schöpfer überhaupt geschaffen?

Letzte Änderung: 07.03.2010

Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.

Die Mitteilung sollte relativ kurz und prägnant sein und kann über die Kontaktseite oder als Leserbeitrag in Eingabeformular am Ende dieser Seite versendet werden.

Leserbeiträge

Verfassen Sie einen eigenen Beitrag

Nach einer Überprüfung durch Prof. Dr. Uwe Hillebrand werden logische Widersprüche von kirchlichen Argumenten auch unter Ihrem Namen auf dieser Webseite veröffentlicht.

Klicken Sie auf Vorschau um eine Vorschau Ihres Beitrages anzuzeigen.