Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Unfehlbarkeit

In der katholischen Kirche wählen die dazu autorisierten Kardinäle in Rom in völliger Abgeschiedenheit (im Konklave) einen neuen Papst. Ist die Wahl entschieden, dann verleiht Gott dem gewählten Papst die Unfehlbarkeit, die ihm die Fähigkeit gibt, in aller Form (»ex cathedra«) eine (oder seine?) Glaubensüberzeugung zum Dogma zu erklären. Mit anderen Worten, die Kardinäle schreiben durch ihre demokratische Wahl Gott vor, wem von Ihnen er die Unfehlbarkeit verleihen soll. Kein Wunder, denn die Unfehlbarkeit der Päpste wurde von diesen selbst erfunden, und sie ist offiziell unter dem Pontifikat von Papst Pius IX. durch das 1. Vatikanische Konzil im Jahre 1870 verkündet worden. Ihr Gott ist hierüber nicht befragt worden.

Da es aber nicht sein kann, dass Menschen Gott etwas vorschreiben, handelt es sich genau genommen nicht um eine demokratische und freie Wahl, sondern Gott sorgt, ganz Realist, dafür, das derjenige von den Kardinälen gewählt wird, den er gerne als Papst hätte. Denn im Endeffekt wird der gewählte Papst Stellvertreter seines Sohnes auf Erden, da kann er nicht jeden nehmen. Und weil dieser nach der Dreifaltigkeitslehre (s. dazu bei Glaube) ebenfalls Gott (nicht ein Gott) ist, wird der neue Papst dazu auch sein eigener Stellvertreter. Und er wird zudem Stellvertreter des Heiligen Geistes, da der auch Gott ist. Das ist die Folge davon, dass sich Gott auf drei Personen aufteilt, obwoh man sich beim Heiligen Geist unter einer Person nicht allzu viel vorstellen kann. Also findet faktisch keine Wahl statt. Ihr Ergebnis steht bereits fest, bevor sie begonnen hat. Ist diese Papstwahl somit nichts anderes als Theater?

Ein Ausweg aus dieser misslichen Situation würde darin bestehen, dass jeder, der zum Kardinal ernannt wird, gleichfalls unfehlbar wird. Und da ein Kardinal stets von Gottes Stellvertreter auf Erden ernannt wird, würde damit also Gott selbst diesem die Unfehlbarkeit verleihen. Und die jetzt unfehlbaren Kardinäle würden immer einen der ihren zum unfehlbaren Papst wählen, der Gott genehm ist, da sie ja unfehlbar sind und nur das Richtige tun. Dazu müsste das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes allein entsprechend ergänzt werden, und schon wäre die Wahl demokratisch.

Letzte Änderung: 02.03.2010

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