Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Wahrheit

Wenn ein tatsächlicher Sachverhalt mit der Aussage über diesen Sachverhalt übereinstimmt, dann kann man in diesem Zusammenhang davon ausgehen, dass hierbei die Wahrheit gesagt worden ist. Der Gegensatz dazu ist, dass man einen Sachverhalt nur annimmt, also lediglich glaubt. Im täglichen Leben werden irgendwelche Äußerungen öfter angezweifelt, da man über die Tatsachen, auf denen sie beruhen, nicht informiert ist. Man vergleicht dabei mit seinen eigenen Erfahrungen und sagt daher möglicherweise: »Das glaube ich nicht«, weil man nicht sicher ist, ob eine gemachte Aussage der Wahrheit entspricht. Die Wahrheit stellt für die Menschen also die wahre Realität hinter den Dingen dar.

Die Kirche spricht gern von »göttlicher Wahrheit« oder von dem »wahrhaftigen Gott« und will damit suggerieren, dass es sich bei ihrem Gott um ein Faktum handelt, das als Tatsache über jeden Zweifel erhaben ist. Darum wird im Katholischen Erwachsenen-Katechismus im Zusammenhang mit Jesus u.a. von »Tatsachenwahrheit« gesprochen, woran man die Unsicherheit der Kirche erkennen kann. Eine Tatsache muss nämlich nicht mehr zur Wahrheit erhoben werden, weil eine Tatsache immer die Wahrheit darstellt. Allen Gläubigen muss bewusst sein, dass sie ihren Gott noch nie gesehen oder gehört haben. Stets basiert dieser ausschließlich auf Erzählungen aus grauer Vorzeit, deren Wahrheitsgehalt tatsächlich schon häufig widerlegt worden ist oder den niemand nachprüfen kann. Oft hört man, es gäbe eine Wahrheit jenseits der weltlichen Wahrheit, für welche die Logik nicht gelte. Und woher wissen die Gläubigen das? Damit sagen sie zugleich, dass ihre so genannte »Wahrheit« den Rang einer Spekulation hat, denn eine Wahrheit ohne Tatsachen gibt es nicht. Obendrein verwendet die Kirche, um aus ihrem Gott eine unumstößliche Realität zu machen, quasi als Steigerung den Begriff »Glaubensgewissheit« , der nicht gegensätzlicher sein kann. Denn über das, was man nur glaubt, kann man natürlich nicht gewiss sein, sonst würde es sich nicht bloß um Glauben handeln.

Darüber hinaus gibt es so viel Widersinniges, Unrecht und Leid auf der Welt, dass es eigentlich jedem schwer fallen müsste, an einen gütigen und barmherzigen Lenker der Dinge zu glauben. Zwar versucht die christliche Kirche heutzutage, den Begriff der Wahrheit nicht mehr unbedingt als absolute Gegebenheit der Aussage zu interpretieren, aber wie kann ein Gläubiger dieses Wort anders verstehen, als es im Lexikon erklärt wird? Im Namen der barmherzigen Kirche sind im Dienste ihrer »Wahrheit« unzählige Menschen verdammt, gefoltert oder grausam hingerichtet worden.

Oft schon ist die Kirche der Unwahrheit überführt worden, wie auch aus den hier vorliegenden Texten unschwer zu ersehen ist. Man denke z.B. an das Paradies mit Adam und Eva, das es aus jetziger Sicht nicht gab. Jahrhundertelang hat die Kirche davon gepredigt. Oder an die Hölle, die den Gläubigen immer wieder bedrohlich vor Augen geführt wurde, und die nach Überzeugung heutiger Theologen nicht existent ist und damit auch nicht war. Papst Benedikt XVI. wiederum meint, dass die Hölle doch existiere. Somit könnte es sein, dass katholische Gläubige, die auf Erden schwer gesündigt haben, nach ihrem Tod in die Hölle kommen, wohingegen evangelischen Gläubigen, wenn es nach Bischof Huber geht, dieses Schicksal erspart bleibt. Er müsste es wissen, immerhin war er Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Vielleicht sieht das ein zukünftiger Ratsvorsitzender oder eine Ratsvorsitzende anders, und die Hölle wird eben wieder aufgemacht. Irgendwann wird man sich über die Wahrheit der Hölle einigen, und dann wird es dem einen oder anderen Gläubigen ratsam erscheinen, lieber die Konfession zu wechseln. Man weiß ja nie….!

Wer bewusst die Unwahrheit sagt, der lügt, und verbietet nicht das 8. Gebot die Lüge? Die Kirche mag dazu sagen, sie habe es nicht besser gewusst, aber dann stellt sich, nach allem was man weiß, die Frage, ob das denn die Wahrheit ist. Und gewusst hat sie sowieso nichts.

Letzte Änderung: 25.02.2010

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von Werner Rupp

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hillebrand,

    es stimmt gar nicht, was Sie da sagen! Ich habe eine Beziehung zu meinem Gott (=Jesus Christus). Nun fragen Sie vielleicht, warum ich das glaube, was ich nicht sehe?
    Ohne Glauben wäre diese Beziehung gar nicht entstanden und hätte bis heute nicht gehalten.
    Für mich ist der lebendige Gott ein Faktum, das über jeden Zweifel erhaben ist. Ich kann ihn hören und mit ihm reden. Glauben heißt, sich verlassen auf den Gott, der mir mein Herz abgewonnen hat. Glauben ist Wissen und Erfahrung. Ich kann meinen Glauben durchdenken, begründen und erklären.
    Ich finde es falsch, dass sich diejenigenn als klug und kritisch ausgeben, die die biblischen Tatsachen als Märchen abtun. Diese Art von Kritik ist ein Zeichen von Schwäche und Oberflächlichkeit. Dahinter steckt die Flucht vor der Wahrheit und die Angst, die Bibel könnte am Ende doch recht haben.
    Für mich sind Ihre »Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik erledigt, weil ich mich entscheiden haben, an die Wahrheit der Bibel zu glauben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Werner Rupp

    Erstellt am 04.12.2008

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