Warum glaubst Du noch? Lehren der christlichen Kirchen
unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Beten (Buch)

Beten ist ein Zwiegespräch mit Gott, heißt es, obwohl in einem Zwiegespräch üblicherweise beide der Beteiligten etwas sagen. Im Unterschied dazu redet hierbei der eine, gemeint ist Gott, nie. Daher sollte man zum Beten lieber Selbstgespräch sagen, bei dem Gott zuhört, das träfe den Kern am ehesten. Gleichwohl berichten einige, dass ihnen ihr Gott beim Beten geantwortet hätte. Sollten die vielleicht zur Seligsprechung vorgeschlagen werden? Beten kann Anbetung, Dankgebet und auch Fürbitte sein. Jedoch kann laut Kirche solch ein Gebet nur erhört werden, sofern der Betende gläubig ist. Dann heißt es: Bete, und du wirst erhört werden. Weil aber ein Betender vorher nie genau weis, ob über sein Anliegen von Gott positiv entschieden wird, sollte es statt »erhört« richtiger »gehört« heißen.

Wenn Beten eine Anbetung Gottes ist, wird ja von Gott keine Reaktion erwartet, und Beten stellt in dem Fall kein Problem dar. Aber schon das Dankgebet verursacht so seine Schwierigkeiten. Bedanken sich z.B. Landwirte in einem Dankgottesdienst für die gute Ernte und dafür, dass die Ernte dieses Mal nicht wie im vorigen Jahr dem viel zu starken Regen zum Opfer gefallen ist, drängt sich umgekehrt sofort die Frage auf, wer im vergangenen Jahr die Ernte hat verregnen lassen. Hat Gott den Regen vor einem Jahr nicht verhindern wollen oder konnte er ihn nicht verhindern? Da er allmächtig sein soll, kann es an Letzterem nicht gelegen haben. Und warum hat Gott dieses Mal für eine gute Ernte gesorgt und lässt andererseits zu, dass täglich auf unserer Welt tausende von Kindern an Hunger sterben? Hätte er das nicht ändern können, und dafür wäre die diesjährige Ernte etwas schlechter ausgefallen? Oder ist ein Dankgottesdienst sinnlos, weil es sowieso immer so kommt, wie es kommt?

Geht einer nach einem Verkehrsunfall, bei dem drei andere Verkehrsteilnehmer schwer verletzt worden sind, in die Kirche und bedankt sich bei seinem Gott, dass ihm im Gegensatz zu den drei anderen nichts zugestoßen ist, warum wurden dann die verletzt und er nicht? Ist er ein besserer Mensch als die drei anderen, hatte er einen besseren Schutzengel, oder ist er einfach nur arrogant? Die vorstehenden fünf Sätze enden stets mit einem Fragezeichen, woraus man schließen muss, dass ein Dankgebet viele Fragen aufwirft.

Bei der Fürbitte wenden sich die Gläubigen an ihren Gott, damit er ihnen in einer Notlage hilft. Muss etwa jemand wegen einer Krankheit operiert werden, dann werden seine Angehörigen in der Kirche Kerzen anzünden und Gott im Gebet innig darum bitten, dass die Operation gut verlaufen möge. Gott soll zwar allgütig sein, aber gefragt werden möchte er schon, sonst müsste man ja nicht beten.Übersteht der Kranke die Operation gut und ist sein Zustand auf dem Wege der Besserung, hat unzweifelhaft Gott dabei geholfen, und die Angehörigen können nun einen Dankgottesdienst abhalten lassen. Gibt es aber Schwierigkeiten bei der Operation und überlebt der Patient diese bedauerlicherweise nicht, dann hat Gott die Gebete wohl nicht erhört. Und warum nicht? Er sieht doch selbst, was los ist. Warum hilft wer nicht, er soll doch allmächtig sein? Bereits Jesus soll gesagt haben (Mk 11,24): Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. Also haben die Betenden selber nicht daran geglaubt, dass ihre Bitte erhört wird. Es könnte aber durchaus sein, dass Gott gar nicht zuhören konnte. Denn wenn unter Umständen hunderttausende von Menschen gleichzeitig laut, leise oder still beten, auch das soll Gott hören, wie kann er da noch etwas verstehen? So wird für alles und gegen alles gebetet, nur ändern tut sich dabei wenig. Falls sich doch einmal etwas ändern sollte, ist das wie zu erwarten ein Beweis für die Hilfe Gottes.

Letzte Änderung: 19.12.2016

Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von franz piwonka

    mir ist eine glaubensabsurdität aufgefallen, als kardinal wetter in münchen 1998 auf dem marienplatz kurz vor dem beginn des jugoslawienkriegs betete, daß dieser nicht eintreten möge. man unterstellt dabei, daß gott sich durch das gebet erweichen läßt, das drohende leid durch den krieg zu verhindern. man müßte aber nun meinen, daß es dieser bitte um verhinderung von elend gar nicht bedarf, denn gott weiß doch selbst, welches leid auf die menschen zukommt, wenn er keine intervenierende schritte einleitet. dies zu erwartende leid muß doch für ein höchst empathiefähiges wesen bereits grund genug sein, das kommende zu verhindern.

    das gebet unterstellt somit ,daß gott diesem leid doch ziemlich gleichgültig gegenübersteht, wenn er erst durch das gebet eine empathie entwickelt, die jedem normalen menschen eigen ist. denn kein normaler mensch würde sich erst bitten lassen, einem schwer leidenden menschen zu helfen, falls er der einzige ist, der bei ihm hilfe leisten kann

    Erstellt am 08.06.2009

  2. Beitrag von hansmeyer

    Gebete sind unlogisch:
    Gott ist allwissend – folglich weiß er bereits von der Notlage
    Gott ist allgütig – folglich wird er auch helfen
    Gott ist allmächtig – folglich kann er auch helfen

    Wenn er also trotzdem nicht hilft, wird er seine Gründe dafür haben,
    die, da er allwissend ist, auf jeden Fall besser sind als menschliche Gründe!

    Folglich ist Beten unsinnig!

    Erstellt am 14.05.2010

  3. Beitrag von Nadine1978

    »Wenn du mit Gott sprichst, bist du religiös. Wenn Gott mit dir spricht, bist du ein Psychopath. » (Leider nicht von mir! Es ist ein Zitat aus der Fernsehserie »Dr. House«)

    Erstellt am 24.07.2011

  4. Beitrag von Tabitha

    »Gebete sind unlogisch:
    Gott ist allwissend – folglich weiß er bereits von der Notlage
    Gott ist allgütig – folglich wird er auch helfen
    Gott ist allmächtig – folglich kann er auch helfen

    Wenn er also trotzdem nicht hilft, wird er seine Gründe dafür haben,
    die, da er allwissend ist, auf jeden Fall besser sind als menschliche Gründe!«

    Wenn man davon ausgeht, dass Gott allmächtig und allwissend sei, so ist es nur eine logische Schlußfolgerung, dass wir als Menschen, die wir nicht allmächtig und allwissend sind, viele seiner Ratschlüsse nicht verstehen können.
    Wenn Gott alle noch so kleinen und in unseren Augen vielleicht unbedeutenden Faktoren der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in einem Geschehen gewichten kann und danach entscheidet, so steht es uns als Menschen, so finde ich, nicht zu, auch nur im Ansatz darüber zu urteilen.
    Und wenn man weiter davon ausgeht, dass Gott nach der Bibel auch noch ein liebender Vater ist, und wir seine Kinder, so glaube ich, dass, egal was er tut, es immer das absolut Beste für sein Kind ist. Manchmal mag es hart sein, oft schwierig, aber wir können darauf vertrauen, dass ER uns alles gibt, was wir brauchen und weitaus mehr, wenn wir IHN nur bitten.

    »Gott lässt zu, was er hasst, um zu bewirken, was er liebt.« Joni

    Wir können vieles Leid in der Welt nicht verstehen, aber ich vertraue auf SEINE Liebe. Und ich glaube auch, dass Gott mein Gebet nicht egal ist oder dass ich gegen eine Wand rede. Er hört es und wenn wir etwas »in seinem Namen bitten werden, so wird er es uns geben«.
    Nebenbei ist der Mensch für ungerechte Güter- und Nahrungsmittelverteilung weltweit selbst verantwortlich und schuld. Die jährliche Menge der weggeworfenen Nahrungsmittelreste Europas würden reichen, um die hungernde Weltbevölkerung zweimal satt zu bekommen.

    Wissen Sie was, ich werde mal für sie beten =)
    liebe Grüße
    Tabitha

    p.s. Trauen Sie sich auch andere Meinungen auf Ihrer netten Seite zu veröffentlichen?!?

    Erstellt am 01.08.2011

  5. Beitrag von Michael Buchrainer

    Mein Gott (oder besser: Ihr Gott), Tabitha! Mehr kann man dazu wirklich nicht sagen, außer natürlich auch diese Meinung zu veröffentlichen (Dank an Prof. Hillebrand), was umgekehrt bei kath.net oder kreuz.net für religionskritische Kommentare wohl nicht möglich wäre… außer vielleicht mit der Allmacht Gottes.

    Erstellt am 25.04.2012

  6. Beitrag von Regina Rabke

    Hätte Tabitha diese Seite richtig gelesen, dann hätte sie solch einen Unsinn nicht geschrieben!
    Gott, als liebender Vater, hat also seine Gründe, wenn er zulässt, dass Menschen oder Tiere gefoltert oder grausam getötet werden. Oh, was für ein liebender Gott er dann sein muss. >:-(

    Erstellt am 13.08.2012

  7. Beitrag von Thomas Steiner

    Laut kirchlicher Lehrmeinung ist Gott unendlich, grenzenlos und allgegenwärtig. Das bedeutet, dass es keinen Bereich des Seins geben kann, aus dem Gott ausgeschlossen wäre.
    Nun weiß ich aber, dass ICH wirklich bin, daran kann kein Zweifel bestehen (cogito ergo sum). Wiederum laut kirchlicher Lehrmeinung bin ich aber NICHT Gott. Es gibt also einen Bereich der Wirklichkeit, der dem Sein Gottes nicht zugänglich ist, von dem Gott ausgeschlossen ist. Auch die ganze Schöpfung ist von Gott seinsmäßig verschieden, sodass der gesamte Bereich von »Welt« ebenfalls einen Wirklichkeitsbereich darstellt, aus dem das göttliche Sein ausgeschlossen ist.
    Das kann nur eines bedeuten:
    Entweder gibt es den unendlichen, grenzenlosen, allgegenwärtigen Gott nicht, den uns die Kirche zu glauben vorschreibt;
    oder das Sein Gottes umfasst alle Erscheinungen inklusive mir selbst, in diesem Falle wäre ich also selbst auch Gott. (Dass die Mystiker Zweiteres bestätigen, ändert nichts daran, dass es aus Sicht der Kirche Blasphemie ist.)

    Erstellt am 21.11.2013

  8. Beitrag von Sina

    Ich denke, vielen religiösen Menschen ist durchaus bewusst, dass ihre Gebete keinen »logischen« Prinzipien folgen. Aus der Forschung wissen wir auch, dass viele religiöse Menschen nicht an einen »Effekt« ihres Gebets glauben, aber dennoch hat das Gebet für sie eine »Funktion«. Es kann helfen, in Dialog mit sich selbst zu kommen, sich seiner eigenen Wünsche und Bedürfniss bewusst zu werden und diese klar zu formulieren und das wiederum kann einen Einfluss auf das eigene Handeln haben, der vielleicht tatsächlich zu einer »Verbesserung« der eigenen Situation führt. Das sind Prinzipien, derer sich z.B. auch die Psychotherapie bedient. Welche äußere Form man wählt, um für sich Raum für diesen inneren Dialog zu schaffen (sei es ein Kirchgang, Meditation, Fasten oder regelmäßiges Joggen) hängt wohl mit den persönlichen Präferenzen zusammen, die sich bei einem Menschen durch seine Erfahrungen und seine Erziehung entwickelt haben. Ich denke es ist nicht notwendig, diese individuellen Präferenzen zu werten, solange sie »im Stillen« individuell gelebt werden und kein missionarischer Eifer mitschwingt.

    Erstellt am 24.05.2015

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