von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Im Fegefeuer (Purgatorium) wird die Seele des Verstorbenen zunächst geläutert, und danach kann sie in den Himmel aufgenommen werden. Die zurückgebliebenen Gläubigen können durch Gebete und gute Werke helfen, diese Zeit, die die sündige Seele im Fegefeuer verbringen muss, zu verkürzen. Demgemäß lohnt es sich, zu Lebzeiten bei seinen Mitmenschen beliebt zu sein. Dies ist die katholische Wahrheit, die evangelische Wahrheit kennt kein Fegefeuer. Aber möglicherweise ist ein Fegefeuer doch sinnvoller, und zwar als eine kirchenamtliche Garantie, nach dem Ableben ganz bestimmt in den Himmel zu kommen. Mithin sollte man sich als Protestant durchaus überlegen, ob man nicht lieber auf Nummer sicher geht und zum katholischen Glauben übertritt.
Und nun kommt die Entwarnung für die Katholiken: Das heutige Fegefeuer ist nicht mehr so schlimm, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten war. Während zur damaligen Zeit eine Seele im Fegefeuer »große Pein« erleiden musste, geht die katholische Kirche heute davon aus, dass eine Seele das Fegefeuer gerne erträgt, um danach geläutert im Himmel einzutreffen. Das Fegefeuer hat sich also im Laufe der Zeit geändert, falls die katholische Kirche früher bei dieser Thematik nicht ein bisschen geflunkert hat. Das wäre aber nicht nett gewesen, da sich die Menschen zu Lebzeiten höchstwahrscheinlich Sorgen machten, was sie alles im Fegefeuer erwarten würde.
Sowieso ist das Fegefeuer eine reine Erfindung der Kirche. Bis ins 12. Jahrhundert hinein gab es für einen Gläubigen nur den Himmel und die Hölle. Um aber auch einen Ort für die kleineren Sünden zu schaffen, wurde das Fegefeuer erfunden. Erstmals 1274 wurde es auf dem 2. Konzil von Lyon von der Kirche eingerichtet. Ab jetzt gab es offiziell neben Himmel und Hölle einen dritten Ort, an dem man die Verstorbenen, d.h. ihre Seelen, je nach Lebenswandel unterbringen konnte.
Die Einrichtung des Fegefeuers hatte die Konsequenz, dass nun viele Gläubige große Angst vor dem hatten, was nach dem Tode auf sie zukommen würde. Denn man war sich ja öfter unsicher, ob ein Gedanke oder eine Tat Sünde waren oder nicht. Inzwischen wurde das Fegefeuer also entschärft, und außerdem war Papst Johannes Paul II. der Ansicht, dass es sich dabei nicht um einen realen Ort handele, eher um einen Seelenzustand. Seltsam, früher war es ein realer Ort. Nachdem Papst Benedikt XVI. nun schon die Vorhölle (Limbus) abgeschafft hat, könnte es sein, dass demnächst auch das Fegefeuer wieder abgeschafft wird. Damit gäbe es endlich auf dem Weg zum Ziel keine Umwege mehr. Schön, dass die Kirche immer weiß, was die zurzeit gültige Wahrheit ist. Denn dadurch kann man sich auf ihre Lehre blind verlassen.
Was würde wohl Er, der Gott der Kirche, dazu sagen, der in dieser Sache niemals um seine Meinung gefragt worden ist? Ob er mit den eigenmächtigen Vorstellungen seiner Päpste einverstanden wäre? Hätte er kein Fegefeuer gewollt, hätte die Kirche von Rechts wegen auch keines einrichten dürfen. Und die Protestanten lägen hierbei richtig.
Letzte Änderung: 18.07.2010
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Beitrag von Helmut Stapf
Was war der Anlass, im 13 Jh. die Theologie grundsätzlich zu verändern?
Aus dem König der Auferstehung mit erhobenemHaupt, offenen Augen und Königsinsignien wurde der König der Leiden mit hängendem Kopf, geschlossenen Augen und Dornenkrone.
1231 Einführung der päpstlichen Inquisition.
1209-1229 Vernichtungskreuzzug gegen eine christlichen Gruppe Andersdenkender, den Katharern.
Der König der Auferstehung ist ein Symbol des Wandels. Dieses wollte man los werden. Der Mensch sollte sich einfügen in sein Schicksal. Dazu auch der Hinweis im o.g. Text …« dass nun viele Gläubige Angst hatten,…«
Das erinnert an den Witz: Gott besucht den Papst und fragt ihn, was ist Dir das Wichtigse in Deinem Leben?
Papst antwortet: der Gottesdienst
Was ist Dir das Wichtigste in dem Gottesdienst?
Papst: Die Wandlung
Frage: und wie steht es mit Deiner Wandlung? –
Oh,nur das nicht!
Vor nicht allzu langer Zeit formulierte ich für meinen Pfarrer die Texte für Begrüßung und Fürbitten mit dem Thema Vision entsprechend des Evangeliums der Verkündigung vom Land, wo Milch und Honig fließt. Bei diesem Text verweigerte er die Verwendung. Die Gottesdienstbesucher verstehen nicht das Wort Vision.
Dazu aus dem Buch der Sprüche29,18: Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.
Helmut Stapf
Erstellt am 12.07.2010