Warum glaubst Du noch? Lehren der christlichen Kirchen
unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Fegefeuer (Buch)

Im Fegefeuer (Purgatorium) wird die Seele des Verstorbenen zunächst geläutert, und danach kann sie in den Himmel aufgenommen werden. Wie mag diese Läuterung aussehen? Nun, die betreffende Seele könnte in sich gehen und seine Lebensphase unter kirchlichen Gesichtspunkten beurteilen. Ein Ge-spräch mit Gott könnte ihr dabei helfen. Danach gelobt sie Besserung. Was wirklich im Fegefeuer passiert, ist zwar unbekannt, aber die Kirche weiß trotzdem viel darüber zu berichten, so etwa im Katholischen Kurz-Katechismus. Die zurückgebliebenen Gläubigen können durch Gebete und gute Werke helfen, die Zeit, die die sündige Seele im Fegefeuer verbringen muss, zu verkürzen. Demgemäß lohnt es sich, zu Lebzeiten bei seinen Mitmenschen beliebt zu sein. Dies ist die katholische Wahrheit, die evangelische Wahrheit kennt kein Fegefeuer. Aber möglicherweise ist ein Fegefeuer doch sinnvoll, und zwar als eine kirchenamtliche Garantie, nach dem Ableben ganz bestimmt in den Himmel zu kommen. Mithin sollte man sich als Protestant durchaus überlegen, ob man nicht lieber auf Nummer sicher geht und zum katholischen Glauben übertritt.

Und nun kommt die Entwarnung für die Katholiken: Das heutige Fegefeuer ist nicht mehr so schlimm, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten war. Zur damaligen Zeit musste eine Seele im Fegefeuer große Pein erleiden, wobei sich hinter diesen Worten etwas ganz Fürchterliches verbarg. Konkretes wusste aber keiner, nicht einmal die Kirche. Heute geht die katholische Kirche davon aus, dass eine Seele das Fegefeuer gerne erträgt, um so geläutert im Himmel einzutreffen. Das Fegefeuer hat sich also im Laufe der Zeit geändert, auch Gott scheint dazuzulernen. Falls die katholische Kirche früher bei dieser Thematik nicht ein bisschen geflunkert hat. Das wäre nicht nett gewesen, da sich die Menschen zu Lebzeiten höchstwahrscheinlich Sorgen machten, was sie alles im Fegefeuer erwarten würde.

Sowieso ist das Fegefeuer eine reine Erfindung der Kirche. Bis ins 12. Jahrhundert hinein gab es für einen Gläubigen nur den Himmel und die Hölle. Um aber auch einen Ort für die kleineren Sünden zu schaffen, wurde das Fegefeuer erfunden. Erstmals 1274 wurde es auf dem 2. Konzil von Lyon von der Kirche eingerichtet. Ab jetzt gab es offiziell neben Himmel und Hölle einen dritten Ort, an dem man die Verstorbenen, d.h. ihre Seelen, abhängig von ihrem Lebenswandel unterbringen konnte. Die evangelische Kirche hat sich nach der Reformation vom Fegefeuer verabschiedet, ihr genügten fortan zwei Aufenthaltsorte für die Seelen.

Die Einrichtung des Fegefeuers hatte die Konsequenz, dass nun viele Gläubige große Angst vor dem hatten, was nach dem Tode auf sie zukommen würde. Denn man war sich ja öfter unsicher, ob ein Gedanke oder eine Tat Sünde waren oder nicht. Inzwischen wurde das Fegefeuer also entschärft, und außerdem war Papst Johannes Paul II. der Ansicht, dass es sich dabei nicht um einen realen Ort handele, eher um einen Seelenzustand. Seltsam, es ist nicht lange her, da war es ein realer Ort, wie es dort wohl aussah? Nachdem Papst Benedikt XVI. nun schon die Vorhölle (Limbus) abgeschafft hat, könnte es sein, dass demnächst auch das Fegefeuer wieder abgeschafft wird. Damit gäbe es endlich auf dem Weg zum Ziel keine Umwege mehr. Schön, dass die Kirche immer weiß, was die zurzeit gültige Wahrheit ist, weil man sich so allzeit auf ihre Lehre blind verlassen kann.

Was würde Er, der Gott der Kirche, dazu sagen, der in dieser Sache niemals um eine Stellungnahme gebeten worden ist? Ob er mit den Eigenmächtigkeiten seiner Päpste einverstanden wäre? Hätte er kein Fegefeuer gewollt, hätte die Kirche von Rechts wegen auch keines einrichten dürfen. Und die Protestanten lägen hierbei richtig.

Letzte Änderung: 19.12.2016

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von Helmut Stapf

    Was war der Anlass, im 13 Jh. die Theologie grundsätzlich zu verändern?

    Aus dem König der Auferstehung mit erhobenemHaupt, offenen Augen und Königsinsignien wurde der König der Leiden mit hängendem Kopf, geschlossenen Augen und Dornenkrone.
    1231 Einführung der päpstlichen Inquisition.
    1209-1229 Vernichtungskreuzzug gegen eine christlichen Gruppe Andersdenkender, den Katharern.
    Der König der Auferstehung ist ein Symbol des Wandels. Dieses wollte man los werden. Der Mensch sollte sich einfügen in sein Schicksal. Dazu auch der Hinweis im o.g. Text …« dass nun viele Gläubige Angst hatten,…«
    Das erinnert an den Witz: Gott besucht den Papst und fragt ihn, was ist Dir das Wichtigse in Deinem Leben?
    Papst antwortet: der Gottesdienst
    Was ist Dir das Wichtigste in dem Gottesdienst?
    Papst: Die Wandlung
    Frage: und wie steht es mit Deiner Wandlung? –
    Oh,nur das nicht!
    Vor nicht allzu langer Zeit formulierte ich für meinen Pfarrer die Texte für Begrüßung und Fürbitten mit dem Thema Vision entsprechend des Evangeliums der Verkündigung vom Land, wo Milch und Honig fließt. Bei diesem Text verweigerte er die Verwendung. Die Gottesdienstbesucher verstehen nicht das Wort Vision.
    Dazu aus dem Buch der Sprüche29,18: Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.
    Helmut Stapf

    Erstellt am 12.07.2010

  2. Beitrag von Wolfgang Niedereder

    Marketingstrategie: Erbsünde / Taufe
    Die Erbsünde bedeutet auf ein virtuelles Konto übertragen soviel als, dass man mit einem Minus behaftet geboren wird.
    Wie kann man jetzt, nachdem man ja ohne eigenes Verschulden diesen Planeten betreten, hat das Minus auf dem Konto beheben?
    Ganz einfach man wird Mitglied(lebenslänglich) bei einer Vereinigung katholische Kirche genannt und schon hat man das Konto ausgeglichen.
    Das nenne ich mir einmal eine Marketingstrategie die durchdacht ist, da könnten selbst unser Banken noch etwas lernen.

    4614 Wolfgang Niedereder
    Marchtrenk, Österreich

    Erstellt am 13.07.2014

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