von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Kardinal Ratzinger, der spätere Papst, sagte zu Ostern 2005 in einem deutschen Radiosender u.a.:
»Es hat der Kirche die Glaubensgewissheit vermittelt, dass Jesus wirklich leiblich auferstanden ist, dass Gottes Handeln bis in den Leib hinein reicht;… «
Wenig später fuhr er in seiner Radioansprache fort:
»In beiden Aussagen geht es nicht um theologische Interpretation, sondern um Glaubensgewissheit, die dem theologischen Denken als von Gott geschenkte Gewissheit vorausgeht.«
Alfred Buß, der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, erläuterte 2005 in einem Referat das Verhältnis zur katholischen Kirche und sprach dabei von »einer Glaubensgewissheit« Und Kardinal Meisner erwähnte ungefähr ein Jahr später anlässlich einer Priesterweihe im Dom zu Köln seine »innere Glaubensgewissheit«.
Der Begriff Glaubensgewissheit, der gerne von den Würdenträgern der Kirche verwendet wird, ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Aussage der deutschen Sprache ändert sich nicht, nur weil ein Vertreter der Kirche diese Worte in den Mund nimmt. Etwas zu glauben bedeutet nämlich gleichzeitig, dass man über eine Sache nichts weiß. Hätte man Gewissheit darüber, dann müsste man nicht mehr bloß glauben. Ob den Herren dieser Unterschied klar ist, oder ob sie bewusst die deutsche Sprache ändern wollen? Und Kardinal Ratzinger ging sogar noch weiter. Er sprach davon, dass aus Glaubensgewissheit letztlich Gewissheit wird, was schon sehr seltsam ist. In der Erklärung »Dominus Jesus« schreibt die katholische Kirche sogar von Glaubenswahrheit, wobei die Schwestern und Brüder im evangelischen Glauben wohl nicht eingeschlossen sind. Denn auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde eindeutig festgestellt, dass die »einzig wahre Religion« ausschließlich in der katholischen Kirche realisiert sei.
Letzte Änderung: 15.11.2009
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