von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Als Redewendung der deutschen Sprache ist dieser kurze Satz vermutlich jedem bekannt. Auch Menschen, die mit den Lehren der Kirche eigentlich nichts im Sinn haben, gebrauchen ab und zu diese Redensart, was u.a. mit dem kirchlichen Einfluss in den Kindertagen zusammenhängt. Abgesehen davon sollte man einmal darüber nachdenken, was diese Worte eigentlich bedeuten. Wer diese drei Worte mit innerer Überzeugung gebraucht, der geht davon aus, dass auf unserer Welt letztlich alles von einem Gott geregelt wird.
Angenommen jemand hat eine Prüfung bestanden und dankt danach hierfür seinem Gott, so bedeutet das mit anderen Worten, dass er es ohne Gottes Hilfe nicht geschafft hätte. Denn zum einen hat Gott dafür gesorgt, dass beim Prüfling die persönlichen Voraussetzungen, die generell immer für das Bestehen einer Prüfung nötig sind, vorhanden waren. Der Prüfling hat sich systematisch und umfassend auf diesen Prüfungstag vorbereiten können, er hat die Nacht vor dem Prüfungstermin gut geschlafen, und sein Auto hat nicht gestreikt, als er dann am diesem Tag losfahren musste. Zum anderen kann sich Gott bei Auswahl und Formulierung der Prüfungsfragen massiv eingemischt haben. Auf jeden Fall hat er den Verlauf der Prüfung beeinflusst. Bei einem anderen Prüfling, der es nicht geschafft hat, trafen diese Voraussetzungen wohl nicht zu. Also hat letzen Endes Gott ihn durchfallen lassen.
Wäre es so, könnten die Prüfer die Prüfung nach der ersten Frage abbrechen, da sowieso alles in Gottes Hand läge. Außerdem müssten die Prüfer ernsthaft über den Sinn ihrer Tätigkeit nachdenken. Meldet sich also jemand zur Prüfung an, von dem man weiß, dass er gläubig ist und hinterher, falls er bestanden hat, seinem Gott danken wird, sollten sich die Prüfer wirklich überlegen, ob sie diese Prüfung noch durchführen wollen. Denn in solch einem Fall wird ohnehin alles von oben gelenkt.
Bei einem Leichtathletikwettbewerb kommt es manchmal vor, dass sich ein Wettläufer, nachdem er als erster das Ziel erreicht hat, bekreuzigt. Damit will er sich bei seinem Gott für den Sieg bedanken, offensichlich hat der ihn gegenüber den Konkurrenten bevorzugt. Die anderen Läufer sind ihm wohl irgendwie unsympathisch, oder sie sind sogar ungläubig, denkt er. Gott hat also verhindert, dass er, der Sieger, beim Laufen etwa einen Wadenkrampf bekommen hätte, dass er mit einem Fuß umgeknickt wäre, oder dass er ingesamt zu schwach gewesen wäre. Dann hätte er ganz klar nicht gewonnen. Aber da er sehr gut trainiert war, ist ihm das nicht passiert. Und daher hat er gewonnen.
Oder wenn ein Fußballspieler in einem wichtigen Ligaspiel ein Tor schießt, kommt es hin und wieder vor, dass der sich danach zum Dank an Gott bekreuzigt. Und der gegnerische Torwart kann sich dann ebenfalls bekreuzigen und Gott danken, dass er diesen Ball durchlassen durfte. Falls der Torwart einer anderen Religionsgemeinschaft angehört als der Torschütze, muss er sich natürlich nicht bedanken.
Letzte Änderung: 09.03.2010
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