Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Teufel

Der Teufel, auch Satan genannt, ist ein aus dem Himmel gefallener ehemaliger Engel, der sich gegen Gott gestellt hat und auf die Erde gekommen ist, um hier sein Unwesen zu treiben. Dem Lukasevangelium zufolge (Lk 10, 18) hat ihn Jesus selbst aus dem Himmel fallen sehen. Und weil ein Evangelium über jeden Zweifel erhaben ist, hätte sich das wirklich so zugetragen, wenn Jesus sich nicht getäuscht hätte. Denn der Teufel war bereits im Alten Testament aktiv, lange vor der Zeit Jesu. Aber Jesus war noch jünger, da sagt man schon mal im Überschwang Dinge, die nicht ganz richtig sind. Im Johannesevangelium wird sogar berichtet, dass der Teufel der Vater der Juden sei, jedenfalls hätte das abermals Jesus behauptet (Joh 8, 44). Jesus war zwar selbst Jude, doch seinen eigenen Vater wird er bei dieser Äußerung wohl nicht im Sinn gehabt haben.

Dies ist nicht etwa eine Erklärung für Kinder im Vorschulalter dafür, wie das Böse in die Welt gekommen ist, dieser Teufel ist Bestandteil der offiziellen katholischen Lehre. Dass er als Person existiert, steht auch im Katechismus der katholischen Kirche. Die evangelische Kirche hingegen sieht ihn nicht mehr als Person an, sie spricht in diesem Zusammenhang nun abstrakt von dem »Bösen«. Obwohl immerhin Martin Luther den Papst als einen »leibhaftigen Teufel« bezeichnete. Das war fraglos eine unbedachte Äußerung von ihm, denn wie kann der Stellvertreter Christi auf Erden gleichzeitig ein Teufel sein?

Weil Engel bekanntermaßen Flügel haben und daher fliegen können, hat sich der Teufel bei dem Absturz aus dem Himmel nichts gebrochen. Man stelle sich vor, was gewesen wäre, wenn Engel keine Flügel hätten. Dadurch hätte der Teufel diesen Absturz möglicherweise nicht überlebt und die Welt darum keinen Teufel. Wir hätten das Paradies auf Erden. Er ist ein Geisteswesen und gleichzeitig der Inbegriff alles Bösen. Da er einen freien Willen hat, ist er der direkte Widersacher Gottes, und er hat einen teuflischen Willen. Dabei geht er so weit, dass er von einem Menschen Besitz ergreift, man sagt, dieser Mensch sei vom Teufel besessen. Nach dem Alten Testament hat er mit Hilfe der Schlange zunächst Eva und dann Adam zum Ungehorsam gegen Gott verleitet. Er log nämlich Eva bewusst an, als er sagte, sie würden wie Gott sein, sobald sie von dem Baum der Erkenntnis gegessen hätten. Und prompt hat Gott sie anschließend aus dem Garten Eden geworfen. Dies alles erzählte uns immer die Kirche.

Da aber alles Leben durch die Evolution entstanden ist, und es mithin ein Paradies (Garten Eden) nicht gegeben hat, kann man dem Teufel diese Vertreibung aus dem Paradies nicht mehr anhängen. Im Gegenteil muss er einem ein bisschen Leid tun. Da er ja den Menschen nur Schlechtes zufügen wollte, wurde er nunmehr durch die Evolution auf eine harte Probe gestellt. Milliarden von Jahren musste er warten, bis er erst einmal auf eine Aminosäure traf. Und was sollte er mit der schon Böses veranstalten können? Und wie viel Zeit verging dann noch, bis das erste einzellige Lebewesen entstanden ist. Aber als endlich der erste affenähnliche Mensch durch die Wälder streifte, da war der Teufel in seinem Element. Nun konnte er alle Register der Schlechtigkeit ziehen. Wollte dieser Vorgänger des Menschen dabei nicht so richtig mitmachen, brauchte sich der Teufel nur den nächsten Vertreter dieser Spezies vorzunehmen. Stattdessen könnte der Teufel auch viel später vom Himmel gefallen sein, wodurch er nicht dermaßen lange auf lohnende Objekte seiner Schlechtigkeit hätte warten müssen. Das genauere Datum des Absturzes weiß vermutlich die Kirche.

Der Teufel ist nicht, wie es den Anschein haben könnte, eine Märchenfigur, sondern es gibt ihn tatsächlich. Das hat Papst Johannes Paul II. öfter gesagt, und ein Papst, vor allen Dingen einer aus der heutigen Zeit, der wird es wohl wissen. Und er hat sich selbst mindestens dreimal im Leben als Exorzist betätigt. Ein anderer Papst, Pius XII., soll während des 2. Weltkrieges mehrmals versucht haben, bei Adolf Hitler den Teufel auszutreiben. Offensichtlich ist es ihm nicht ganz gelungen.

Vielleicht war die Entfernung zwischen dem Papst und Hitler für einen erfolgreichen Exorzismus ein bisschen zu groß, zusätzlich mag es ein Sprachproblem gegeben haben. Denn der italienische Papst hat die Worte »Im Namen Jesu, Satan, weiche« bestimmt auf Lateinisch oder wenigstens Italienisch gesprochen. Doch der Teufel versteht diese beiden Sprachen nicht, da sie in keinem der beiden Testamente vorkommen. Also hat er auch die Beschwörungsformel von Pius XII. effektiv nicht verstehen können und nicht gewusst, dass er den Körper von Hitler jetzt verlassen sollte. Wenn aber das gesprochene Wort bei einer Teufelsaustreibung keine Rolle spielen sollte, welchen Sinn hätte dann noch die Beschwörungsformel? Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der damalige Papst bei seinem Vorhaben Erfolg gehabt. Wahrscheinlich wäre ein geläuterter Adolf Hitler von seinen eigenen Nazis wegen antivölkischer Propaganda hingerichtet worden.

Wem die Sache mit den Teufelsaustreibungen zu okkultistisch vorkommt, dem sei gesagt, dass es sich dabei um eine ernste Angelegenheit handelt. Selbst Jesus hat es öfter vorgemacht. Und der Vatikan hat sogar seinen eigenen Chefexorzisten, den Priester Don Gabriele Amorth. Er ist der Exorzist der Diözese Rom und damit der zuständige Teufelsaustreiber für den Bischof von Rom, der zugleich der Papst ist, und hat nach eigener Aussage in 21 Jahren über 70000 Teufelsaustreibungen durchgeführt. Das ergibt im Durchschnitt die stolze Leistung von mehr als 9 Austreibungen pro Tag. Generell besteht bei den Teufelsaustreibungen noch eine kleine praktische Schwierigkeit. Angenommen, der Teufel hielt sich allein 20 Jahre in Adolf Hitler auf, dann konnte er die ganze Zeit über in keine andere Person fahren. Demnach gab es diese 20 Jahre lang auf der ganzen Welt keinen einzigen Besessenen. Oder hat er etwa viele Unterteufel, die weltweit für ihn die teuflische Arbeit machen? Man sieht, mit dem Teufel gibt es reichlich Probleme.

Letzte Änderung: 03.03.2010

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