von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Allen monotheistischen Religionen ist gemeinsam, dass es immer einige wenige Menschen gibt, bei den Christen heißen sie Priester, bei den Muslimen Mullahs, die genau wissen, wie ihr Gott ist, was er will, was er nicht will, und was man tun und lassen muss, um ihm zu gefallen. Hält sich ein Gläubiger an das, was sie sagen, dann winkt als Lohn dafür, das versprechen sie, der Himmel mit all seinen Annehmlichkeiten. Je nach Religionszugehörigkeit müsste man lediglich auf dem Weg dahin einen kleinen Umweg über das Fegefeuer in Kauf nehmen.
Diese Menschen, nennen wir sie Kirchenvertreter, sagen den Gläubigen stets, was richtig und was falsch ist. Sie ändern zwar hin und wieder mal die Spielregeln, aber die göttliche Wahrheit ändert sich eben. Und sie kennen die Wahrheit, da sie Gottes Wort selbst gelesen haben, in der Bibel. Das ist ein ziemlich altes Buch, in dem alles, was darin zu lesen ist, wahr sein soll. Es ist ja bekannt, dass gerade alte Bücher immer ausschließlich die Wahrheit enthalten. Erscheint den Kirchenvertretern in diesem Buch eine Textstelle für die heutige Zeit als nicht mehr geeignet, dann müssen die entsprechenden Worte eben allegorisch genommen werden.
Betrachtet man auf der anderen Seite die Gläubigen, so gibt es neben dem Christentum noch etliche andere Glaubensrichtungen. Allein ungefähr 900 Millionen Menschen sind Anhänger des Hinduismus, und weit über 1 Milliarde sind Muslime. Und alle sind unbeirrbar davon überzeugt, dass einzign ihr Glaube der wahre sei. Nach Überzeugung der Muslime z.B. sind alle übrigen Menschen auf der Welt Ungläubige, die, folgt man dem Koran, getötet werden müssten. Andere Textstellen in diesem Buch behaupten allerdings das Gegenteil. Jede dieser Glaubensrichtungen hat eine andere Vorstellung davon, wie ein gottgefälliges Leben auszusehen habe. Nur ihr Gott sei der richtige, an einen anderen könne oder dürfe man sogar nicht glauben. Welche Arroganz verbirgt sich hinter solch einer Betrachtungsweise, da man damit zugleich zig Millionen Menschen unterstellt, dass sich alle auf einem Irrweg befänden. Tatsächlich kann niemand etwas wissen, woher auch! Es sei denn, man verlässt sich auf das, was irgendwelche Menschen vor langer Zeit gesagt haben, gesagt haben sollen oder geschrieben haben. Dabei genügt schon der klare Menschenverstand, um zu erkennen, was von solchen Zeugnissen zu halten ist.
Man stelle sich nun einmal vor, wie die Geschichte auf der Welt verlaufen wäre, wenn es keine Religion gegeben hätte. Denn dann wären viele Ereignisse, die den Lauf der Welt mit bestimmt haben, nie gewesen. Ohne Religion hätte es keine Kreuzzüge gegeben, von deren Grausamkeit die Muslime heute noch erzählen. Es hätte keine Ausrottung der Indianer gegeben, keine mörderische Inquisition, keine grausamen Hexenverbrennungen, keine unzähligen Religionskriege, keine Toten in Nordirland oder im Sudan, keine Steinigungen von Frauen in einigen islamischen Ländern, keinen 11. September 2001, keine Toten durch Selbstmordanschläge, keine Anschläge in Madrid und London, und, und, und, …… . Solche Taten hätte man wohl bösen Atheisten zugetraut, aber doch nicht frommen Menschen. Was ist das bloß für eine Perversion von Moral? Und dabei handelt es sich keineswegs nur um Ereignisse aus längst vergangenen Tagen, denn der 11. September 2001 z.B. ist gar nicht solange her. Alles geschah stets zur Ehre und zum Ruhm Gottes. Was muss das für ein Gott sein, dem so etwas gefällt.
Letzte Änderung: 19.02.2010
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