von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Die Erbsünde ist nach der ursprünglichen Lehre der Römisch-Katholischen Kirche durch den Sündenfall von Adam und Eva im Paradies entstanden. Sie waren ungehorsam gegen Gott und wurden von ihm aus dem Paradies vertrieben. Weil Adam und Eva gesündigt hatten, sollte fortan jeder Mensch von Geburt an mit der ererbten Sünde belastet sein. Da der Vatikan die Evolution als Mechanismus der Entstehung der vielfältigen Lebensformen anerkannt hat und es demnach das Paradies nicht gegeben hat (nicht auszudenken, wenn das früher einer behauptet hätte), musste die katholische Kirche das Paradies neu definieren. Alles sei ein Gleichnis, heißt es, in dem Adam für die gesamte Menschheit stehe. Und der Mensch müsse eben für die sündige Vergangenheit der Menschheit gerade stehen, lautet die kirchliche Logik, weshalb ihm die Erbsünde per Geburt angelastet werden müsse. Wahrscheinlich ist irgendein Einzeller oder ein Fisch im Laufe der Evolution sündig geworden, und die Menschen, die irgendwann daraus entstanden sind, haben diese Sünde geerbt. So könnte es gewesen sein.
Auch bei der evangelischen Kirche befindet sich ein neuer Mensch sozusagen automatisch im Zustand der Sünde, er wird bereits sündig geboren und muss erlöst werden. Das ist nun mal so, daran trägt ja die evangelische Kirche keine Schuld. Eine katholische oder evangelische Frau, die ein Kind erwartet, weiß also, dass ihr kleines Kind, ganz ohne sein Zutun, bereits sündig zur Welt kommen wird. Dadurch ist es, sagt die Kirche, von Gott getrennt. Die Taufe hebt diesen Zustand wieder auf. Gegen die Last der Erbsünde kann sich offenbar niemand wehren, es sei denn, er zieht es vor, lieber nicht geboren zu werden.
Interessant ist die Entwicklung der Erbsünde, die bei Jesus noch völlig unbekannt war. Es gibt sie nämlich erst seit Augustinus von Hippo (354 – 430), er war ihr Erfinder. Die Menschen, die vorher lebten, hatten Glück, sie waren somit frei von der Erbsünde. Das »sündige Verhalten« der beiden Urmenschen bestand nicht nur im Ungehorsam gegen Gott, es steckte mehr dahinter. Augustinus stützte sich in seiner Theorie auf den christlichen Gelehrten Origenes (185 – ca. 254), für den der Sündenfall von Adam und Eva ein sexuelles Vergehen war. Darin sah er die eigentliche Ursache der Erbsünde, die dann auf alle nachfolgenden Menschen übergehen würde. Augustinus betrachtete die sexuellen Gefühle der Menschen als eine Strafe Gottes für die Sünde von Adam und Eva! Die böse Begehrlichkeit belaste seither als Erbsünde alle Menschen, und durch die Lust beim Geschlechtsakt ginge diese Erbsünde auf die gezeugten Kinder über. Hätten Adam und Eva nicht gesündigt, hätte Gott den Menschen einen Geschlechtsakt ohne Lust geschenkt. Da haben wir wohl großes Pech gehabt.
Papst Gregor der Große (ca. 540 – 604) ging noch darüber hinaus. Er erweiterte die Lehren von Augustinus und bezeichnete den Geschlechtsakt der Eltern als Ursache der Erbsünde. Ehelicher Geschlechtsverkehr sei immer sündhaft, weil die Lust eben sündhaft sei, sagte er. Er sei genauso moralisch verwerflich wie die Unzucht, allein die (für den Fortbestand der Kirche) notwendige Zeugung von Nachkommen rechtfertige das im Prinzip sündhafte Tun. Wollten eine Frau und ein Mann ein eheliches Leben führen, so zeigten sie dadurch zugleich jedermann an, dass sie auch bereit waren, zu sündigen.
Die Erfindung der Erbsünde basiert also auf der sexuellen Verklemmtheit der damaligen Kirchenvertreter. Diese Sexualfeindlichkeit wurde in großen Teilen von der Kirche übernommen. Heutzutage distanziert sich die katholische Kirche von solchen pubertären Betrachtungsweisen, wohingegen es bis heute ihren Theologen nicht gelingt, der menschlichen Sexualität als gegebenem Naturtrieb unvoreingenommen gegenüberzutreten. Was ist denn daran so sündig, wenn eine Frau und ein Mann intim werden, ohne verheiratet zu sein? Eine Antwort darauf darf nicht lapidar lauten » Das tut man nicht «, sie muss grundsätzlicher Natur und damit allgemeingültig sein, was bei diesem Thema zugegebenermaßen nicht leicht ist. Wird hier vielleicht die Sexualität als Druckmittel verwendet? Der Vatikan hat doch die Evolutionstheorie inzwischen bestätigt, wonach sich der Mensch im Laufe von Millionen von Jahren entwickelt hat und ebenso seine Geschlechtsteile. Hat Gott irgendwann in dieser Zeitspanne die Geschlechtsteile und die sexuelle Lust des Menschen für böse erklärt? Solch ein sexualfeindliches Verhalten widerspricht klar der Evolutionstheorie.
Für ein Fehlverhalten, im religiösen Sinne eine Sünde, kann man immer nur persönlich verantwortlich sein. Eine Schuld kann nie übertragen werden, und ein neugeborenes Kind kann niemals für etwas verantwortlich gemacht werden, was sich vor seiner Geburt ereignet hat. Vielleicht tut man Gott aber hierbei Unrecht, schließlich kann er nichts dafür, wenn seine Kirchenvertreter hier auf Erden die Erbsünde etwas unüberlegt eingeführt haben. Andererseits passiert ja tatsächlich nicht viel. Ein getaufter Mensch kann befreit durchs Leben gehen, denn die Kirche hat ihn von etwas befreit, was sie selbst erfunden hat, ihm als Bürde auferlegt und nach seiner Geburt gleich wieder genommen hat. Und für die Ungläubigen, gemeint sind die Nichtchristen, gilt die Erbsünde sowieso nicht, da sie ihnen gänzlich unbekannt ist. Obwohl es heißt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Daher sollte sich ein Atheist zur Vorsicht lieber taufen lassen, wodurch er allerdings zu einem nichtgläubigen Gläubigen werden würde.
Woher weiß denn die Kirche das alles? Sie weiß es nicht, sondern sie glaubt es, und verkündet z.B. die Erbsünde als »göttliche Wahrheit«, wenngleich es sie erst seit Augustinus gibt. Müsste nicht eine göttliche Wahrheit seit ewigen Zeiten bestehen? Für ein gläubiges Mitglied der Kirche ist ein religiöser Lehrsatz stets eine für seine Lebensführung bindende Vorschrift. Wird nun die Kirche zu der Überzeugung gebracht, dass einer ihrer Lehrsätze geändert werden sollte, dann war das eben nichts mit diesem Lehrsatz und der göttlichen Wahrheit. Sind also die ersten Menschen, die im Paradies leben sollten, wieder abgeschafft worden, dann glauben die Gläubigen eben etwas anderes. Es macht ihnen anscheinend nichts aus, dass Generationen von Menschen, die vor ihnen lebten, etwas im Vergleich mit der Evolutionstheorie völlig anderes glauben mussten, das es zudem nicht gab.
Letzte Änderung: 08.03.2010
Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.
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Beitrag von Mimo
Wenn Jesus gekreuzigt wurde für die Sünde Adams, dann weiss er selber nicht, dass er deswegen gekrzueigt ist, da er AN GAR KEINER STELLE der Bibel von der Ursprungssünde gesprochen hat…..NEIN, er hat sogar niemal den Namen Adams auf seiner Zunge ausgesprochen !!!
Erstellt am 11.12.2007
Beitrag von daniel
wenn jesus gekreuzigt wurde um die menschen von der erbsünde zu befreien,dann ging es doch eigentlich darum,gott(der im himmel) der die erbsünde über die menschen verhängte,zu besänftigen,das er diese dann eben wieder von den menschen nimmt,dazu war dieser wiederum erst bereit,nachdem er einen menschen öffentlich foltern und anschließend qualvoll sterben ließ,also gott( der im himmel) tötet gott( auf der erde )um wiederum gott(wieder der im himmel)zu besänftigen statt einfach zu sagen,hey schon gut ich bin nicht mehr sauer,nein erst muß ich mein opfer zu tode foltern und dann bin ich nicht mehr beleidigt,wenn gott uns helfen wollte kann er das doch einfach machen und vergeben bzw nicht mehr sauer sein,liegt doch nur an ihm selbst und nicht an den menschen,sondern nur an gott der diese bestrafen will,also braucht der doch nicht sich selbst(als) ein opfer(auf die erde) schicken um sich selbst dadurch zu besänftigen,er war ja sauer und nicht die menschen,also warum sollte ein angeblich allwissender allmächtiger gott diesen umweg gehen,dazu kommt noch das die erbsünde doch von adam und eva begangen wurden,bevor sie vom baum der erkenntnis aßen,also bevor sie wusten was gut oder böse ist und folgedessen gar nicht wissen konnten das sie etwas böses,falsches usw ,taten,denn es heißt ja richtig in der bibel der baum der erkenntnis von gut und böse,also kann man davon ausgehen das adam und eva vorher gut und böse nicht unterscheiden konnten,bzw nicht kannten und somit gar keine sünde begehen konnten,da sie nicht wusten was böse ist
Erstellt am 30.11.2008
Beitrag von Roland Gabriel
Wie auch immer man die Erbsünde definieren mag. Ob es der Apfel im Paradies war oder ob es die Lust am Geschlechtsakt ist. Die Schuld der Erbsünde liegt hier auf Gottes Seite.
Nehmen wir den Apfel. Gott stellt also einen verführerischen Baum ins Paradies und erwartet, bei Strafe, gleichzeitig das die Bewohner ja nicht hiervon essen. Jeder Anwalt würde hier Verleitung zur Straftat erkennen.
Genauso verhält es sich mit dem Geschlechtsakt. Hätte Gott die Lust am Akt nicht gewollt, hätte er sie nicht in seiner Schöpfung veranlagen sollen. Die Lust hinterher als Sünde zu verurteilen ist Hinterlist.
Man sollte aber ehrlich dem Angeklagten Gott gegenüber sein. Die Erbsünde sowie die Sünde an sich dienen nicht Gott als Mittel zum Zweck. Beide dienen der größten Versicherungsgesellschaft der Welt, der Kirche. Taufen, beichten, beten – nicht durch Jesu Wort gehts in den Himmel – sondern gegen Bares durch die Kirche.
Erstellt am 26.02.2009