Warum glaubst Du noch? Lehren der christlichen Kirchen
unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Gott (Buch)

Die Gläubigen haben keine konkrete Vorstellung davon, wie ihr Gott, gemeint ist hier Gottvater, aussehen mag. Gott sei ein Wesen, sagen sie. Die Kirche predigt, Gott sei ein Geistwesen, ein Geist ohne Körper. Bei diesem Begriff »Geistwesen« ist eine weitere Erklärung wohl nicht erforderlich, scheinbar ist damit alles gesagt. Im Endeffekt kann aber keiner erläutern, was ein Geistwesen sein soll. Ist es eine unsichtbare Masse, die alles durchdringt, wie in einigen Zukunftsromanen dargestellt wird? Oder ist Gott nur eine Fiktion, der die Menschen Gestalt gegeben haben, um dadurch alles auf der Welt erklären zu können, wobei dann die Erklärungen auf solch einer Basis in Wirklichkeit keine sind? Dies trifft schon eher zu. Auch für die Mächtigen auf der Welt und für die Kirchenvertreter war und ist die Fiktion Gott äußerst nützlich. Den Beweis ihrer nach »oben« gerichteten stetigen Warnungen müssen sie aber allzeit schuldig bleiben.

Allerdings gibt es ernst zu nehmende Zeugen, die gesehen haben wollen, dass Gott Füße hatte. Nach Kapitel 2 Mo 24,10 des Alten Testaments hatten Mose und andere Vertreter des Volkes Israel, nachdem sie den Berg Sinai bestiegen hatten, tatsächlich gesehen, dass Jahwe, also Gott, Füße hatte. Das wäre schon ein Hinweis darauf, dass mit Gottes Ebenbild, nach dem der Mensch erschaffen worden sein soll, doch das Körperliche gemeint war. Nur stellt sich dann die Frage, warum ein höheres geistiges Wesen Füße haben sollte.

In den künstlerischen Darstellungen der alten Meister wurde Gott häufig als übergroße Vaterfigur gezeigt, die – mal gütig, mal zornig – auf die Welt herabschaute. Dabei drängt sich die Frage auf: Wo ist Gottmutter? Die Mutter Gottes, gemeint ist die Mutter von Jesus, ist ja nicht Gottmutter, was irgendwie seltsam ist, denn ist nicht die Mutter eines Kinders zugleich die Frau bzw. Lebensgefährtin des Erzeugers? Und Gottvater hat, das weiß jeder, weil es im Neuen Testament steht, seinen Sohn Jesus gezeugt. Wie man sieht, liegen hier eigenartige Verwandtschaftsverhältnisse vor. Da es weiterhin nur einen Gott geben soll, könnte man auf die Idee kommen, dass Maria sowohl Frau als auch Mutter von Gottvater sein müsste. Aber dazu ist zu sagen, dass sich Gott, das weis die Kirche, in drei Personen aufteilt (s. dazu bei Glaube), was die Sache wieder überschaubarer macht. Festzuhalten ist, dass es sich bei Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist – es heißt nicht Heilige Geistin – um ein reines Männerbündnis handelt. Was will man auch von den männlichen Erfindern der Gottesidee anderes erwarten?

Es heißt, Gott habe die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Obwohl man laut Evolutionstheorie von einer Erschaffung der Menschen nicht mehr reden kann, hätte dennoch dieser Gott die Evolution derart beeinflusst, dass als Resultat der Mensch herausgekommen sei, und zwar als Ebenbild Gottes. Die Kirche wird mit dieser Formulierung sehr zufrieden sein. Umgekehrt müsste daher Gott so aussehen wie wir. Bevor sich jetzt die Kirchenvertreter zufrieden im Sessel zurücklehnen und sich anschicken zu lächeln, sei angemerkt, dass es sich bei dem Begriff Ebenbild beileibe nicht um den Habitus handeln muss. Das Wesen des Menschen ist geprägt von Gottes Geist und Willen, er soll bzw. sollte reden wie Gott, handeln wie Gott und denken wie Gott. Was für eine Bürde! Dies sind die Worte der Kirche, mit Äußerlichkeiten müssen wir uns also nicht aufhalten.

Ein guter Mensch handelt so, wie auch Gott in der Situation handeln würde, und Gott ist »gut«, sagt die Kirche. Da aber Gott noch niemand auf der Welt gesehen und gesprochen hat, und stets nur erzählt wird, wie seine Ansichten und Denkweisen sein sollen, muss tatsächlich der Mensch, der ja existiert, das Maß der Dinge sein und nicht umgekehrt. Bei der Beurteilung, ob etwas gut oder schlecht ist, legen die Kirchenvertreter ihre eigenen Maßstäbe an. Sie behaupten hingegen, dass es ihr Gott so sehe, beweisen können sie es nicht. Im Übrigen müssen die beiden Begriffe gut und schlecht im Einzelfall relativ zueuinander betrachtet werden, was hier nicht thematisiert werden soll.

In der heutigen Zeit darf ein Gott nicht »schlecht« sein, denn das könnte die Kirche ihren Gläubigen nicht zumuten. Aber wie war dieser Gott in den Zeiten der Kreuzzüge, der Ausrottung der Indianer, der Inquisition und der Hexenverbrennungen? Hat sich sein Charakter seitdem ins Gegenteil gekehrt, oder waren die Kirchenvertreter hier auf Erden charakterlos und mörderisch?
Denn die hatten doch zu ihrer Rechtfertigung immer gepredigt, dass ihrem Gott dieses – verbrecherische – Handeln der Kirche gefallen würde. Vorausgesetzt ihr Gott war trotz allem gut, und welcher Pastor würde das je bezweifeln, muss er sich viele Jahrhunderte lang mit Grausen von seiner Kirche abgewendet haben.

Anfang und Ende irgendeiner Sache sind für uns eindeutig bestimmt. Das Leben beginnt mit der Zeugung im Mutterleib und es endet mit dem Tod. Das Universum hat nach jetziger Kenntnis mit dem Urknall angefangen, für die Wissenschaftler ist er überdies der Beginn von Raum, Zeit und Materie. Alles ist einmal erschaffen worden, nur Gott nicht, der ist schon immer da, erzählt uns die Kirche. Während die gläubigen Menschen im täglichen Leben durchaus vieles hinterfragen und nach der Ursache suchen, fragen sie bei Gott nicht weiter. Sie sind zufrieden damit, dass es ihren Gott schon ewig geben soll, seine Ewigkeit ist für sie quasi die Erklärung für alles. Dabei ist eine Sache, die keinen Anfang hat, für den menschlichen Geist nun einmal nicht nachzuvollziehen. Doch anstatt, wie in anderen Fällen genauso, zuzugeben, dass ihr Wissen über die besagten Zusammenhänge tatsächlich nicht einmal im Ansatz vorhanden ist, haben sie sich für den Weg des kritiklosen Glaubens entschieden. Wer auf diesem Weg nicht mitgehen will, wie einst Giordano Bruno, der auf dem Scheiterhaufen endete, der verleugnet aus ihrer Sicht Gott.

Und woher weiß die Kirche, dass ihr Gott ewig ist? Sie glaubt es. Ihr überzeugendes Argument ist, dass es doch gar nicht anders sein könne, und das ist für die Gläubigen Beweis genug. Bedenkenlos die Ewigkeit als Erklärung ins Spiel zu bringen, sollte sich jedoch für einen selbstkritischen Geist verbieten.

Letzte Änderung: 19.12.2016

Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.

Die Mitteilung sollte relativ kurz und prägnant sein und kann über die Kontaktseite oder als Leserbeitrag in Eingabeformular am Ende dieser Seite versendet werden.

Leserbeiträge

  1. Beitrag von Pucette

    Wie kann es sein, dass in der Kirche immer noch der Zorn als eine der sieben Todsünden gilt? Wer war denn zuerst zornig? Richtig: Gott war der Erste, welcher zornig war. Immerhin heisst es ja auch in der Bibel, dass Gott ein zorniger Gott ist.

    Dann noch die zehn Gebote. Ich mag hier jedem Leser empfehlen, sich diese in ihrer fast unbekannten Langfassung durchzulesen. Immerhin geht es innerhalb eines anderen Themas hier auch um das fünfte Gebot.

    In den zehn Geboten heisst es, dass ein Kind Vater und Mutter ehren soll. So weit – so gut. Was soll mit dem Kind geschehen, wenn es Vater und Mutter flucht? (und wir wissen, dass es sicher nicht nur gute Väter und Mütter gibt) Es soll sterben. Am Besten gesteinigt werden.

    Die zehn Gebote können also, wenn man es genau nimmt, ein Aufruf zum Kindesmord gelten. Jeder weiss sicher, wie Jugendliche sich verhalten können. Sollen jetzt alle Eltern ihre pupertierenden Kinder ermorden oder ermorden lassen? Und was passiert mit den Henkern? Sollen die gleich anschliessend auch gesteinigt werden? Immerhin haben die ja auch gegen das fünfte Gebot verstossen…

    Der Gott der Bibel ist also ein Gott, welcher Zorn und Mord gutheisst, obwohl sie eigentlich, laut seiner »Gesetzgebung«, verboten sind. Als wenn sich alle, außer halt Gott selber, an diese Gesetze halten müssen.

    Aber, diese Gedanken führen zu weit. Sollte man trotzdem mal drüber nachdenken, finde ich.

    Grüße von der nachdenklichen Pucette

    Erstellt am 25.01.2009

  2. Beitrag von annen nerede

    WIE BEURTEILEN SIE DEN FOLGENDEN TEXT? DANKE./
    Juden sollen Schuld am Tode von Gottes Sohn sein? Wer dies glaubt, hat von der christlichen Theologie wohl nichts verstanden. Nach
    christlicher Lehre wollte Gott den Menschen einen Erlöser schicken.

    Dazu sandte er seinen Sohn auf die Erde, damit dieser zunächst getötet werde, dann aber auferstehen sollte. Dies als Zeichen, dass sein Sohn alle Schuld der Menschen auf sich lädt und somit deren Erlöser ist. Um diesen „Plan“ umzusetzen, musste Gott also dafür sorgen, dass sein Sohn tatsächlich getötet wurde und so fädelte er in seiner Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart alles entsprechend geschickt ein. Und jetzt sollen „die Juden“ die Schuld tragen? Welche Schuld? Es war doch der Plan Gottes. Wenn jemand Schuld hat, dann Gott selbst. Aber der Begriff »Schuld« ist hier ohnehin völlig fehl am Platze; es war ja kein Zufall, sondern ein göttlicher Plan.

    Erstaunlicherweise tun die christlichen Kirchen nichts, um die falschen Darstellungen durch diese korrekte
    Erläuterung des Planes Gottes mit seinem Sohne richtigzustellen. Stattdessen hat der Papst jetzt gerade
    verlauten lassen, nur einige wenige Juden aus der Priesterkaste seien Schuld….

    P.S.: Den Zentralrat der Juden bitte ich um Entschuldigung, dass ich durchgehend »Gott« schreibe, nicht G’tt. Ich hoffe, dies führt nicht zu theologischen Verwicklungen. Die katholischen Leser bitte ich um Nachsicht, dass ich die EKD auch zu den Kirchen rechne. Und die Wissenschaftler unter Ihnen bitte ich ich um Verzeihung, falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich die Theologie für eine Wissenschaft halte; dieser Eindruck täuschte.

    Mit freundlichem Gruße/A.Nerede

    Erstellt am 19.03.2011

  3. Beitrag von Bardioc

    Beim lesen dieses Artikels kam mir eine Frage.
    »Wenn denn Gott die Menschen erschaffen hat und wenn wir ALLE Gottes Kinder sind, dann passt da doch etwas nicht 100%ig zusammen.
    Wenn denn Gott seine Tochter Maria geschwängert hat damit sie seinen Sohn Jesus gebiert….
    Ist dann a) Jesus nicht Gottes Enkel
    und b) ist Inzest nicht selbst in den Augen der Kirche, nun sagen wir zumindest, »fragwürdig«? Von den genetischen Gesichtspunkten mal abgesehen.

    Erstellt am 06.05.2011

  4. Beitrag von Klarsicht

    Ein „verphilosophiertes“, kritisches Gedankenspiel über den Bibeldämon, der dort als Gott auftritt, und die Welt.

    1. Der Konvergenzpunkt aller Denklinien der devot-servilen Denkpflicht (Glaube genannt), der sich die Mitglieder der christlichen Amtskirchen mehr oder minder freiwillig unterworfen haben, sind die biblischen Schriften und ist die religiöse Lehre, die über einen langen Zeitrum hin von den Amtskirchen in ihrer sich selbst angemaßten Funktion als christliche Glaubensverwaltungen sukzessive geschaffen und alsdann von ihnen mit den biblischen Schriften verknüpft wurden. Ohne daß man in den christlichen Szenen in der Lage ist, belastbare Beweise für die Behauptung anbieten oder es wenigstens plausibel machen zu können, daß alles, was zum Inhalt dieses Konvergenzpunktes gehört, wahr ist, wird diese Behauptung dennoch immer wieder selbstsicher aufgestellt

    2. Eine der angesprochenen Denklinien ist z. B. die, daß die Gläubigen gehorsam annehmen, daß das nebulöse Megawesen, welches in den Bibelmärchen die Hauptrolle spielt, nicht nur ein gütiger Vater ist und ein gerechter Richter sein wird (ob es beim dereinst erwarteten sogenannten „Jüngsten Gericht“ auch wirklich so sein wird, müßte sich dann noch erst erweisen), sondern daß Es auch Dasjenige ist, das z. B. aus Mitgefühl Seine Geschöpfe in ihrem Leid nicht allein läßt. Es gilt dort als das summum bonum (höchste Gute). Man sieht in Ihm auch das leidende Megawesen, welches angeblich Sein Leben für unsere Sünden hingab. So viele Mühen gibt es in der Welt, aber dieses Überwesen trägt mit uns unsere Last, wie man in den Glaubensszenen auch immer wieder unverfroren und glaubensdevot zu behaupten pflegt ! Glaubensferne Menschen fragen sich natürlich, wie man es dort schafft, zu diesem Spezialwissen zu kommen ? Wie kann man es dort wissen, daß und wann ein derart als existent angenommenes Superwesen etwas „empfindet“, daß es „leidet“ und psychische oder physische „Last trägt“ ?

    3. Das biblische Megawesen hatte für die Menschen in den Zeiten, in denen Es sich angeblich „offenbarte“, offenbar anthropomorphe (menschenähnliche) Züge. Denn aus dem 1. Buch Mose erfährt man z. B., daß Es sehen konnte, also wohl Augen hatte: „Und Gott sah, daß das Licht gut war …“ (Kap. 1; 4). Hier erfährt man auch, daß Es sprechen konnte: „Und Gott sprach: Es werde Licht ! “ (Kap. 1; 3). Ausweislich weiterer Bibeltextstellen sprach Es noch mehrfach anderweitig und aus anderen Anlässen. König David wußte, daß das Superwesen mit Nase und Mund versehen war: „Dampf ging aus von seiner Nase und verzehrendes Feuer von seinem Munde …“ (2. Buch Samuel, Kap. 22; 9). Aus dem „Neuen Testament“ erfährt man erstaunlicherweise etwas darüber, wie das Überwesen äusserlich – zumindest wohl zu damaliger Zeit – teilweise beschaffen gewesen sein muß. Es muß danach eine rechte Seite gehabt haben, da der synoptische Evangelist Markus davon zu berichten weiß, daß Jesus sich: „ … setzte zur Rechten Gottes“ (Mark. 16; 19). Siehe auch Apg. 2; 34, 7; 55 u. 56, Psalm 110; 1, Römer 8; 34. Die Apostelgeschichte gibt uns Auskunft darüber, daß das Wesen auch eine Rechte Hand hatte (Apg. 2; 33 und 5; 31).

    4. Es ist immer wieder erstaunlich, über welche Spezialinformationen der Menschenschlag mit der oben angesprochenen Denkpflicht in bestimmten Denkzusammenhängen über das biblische Megawesen zu verfügen scheint, welches aber dann doch wieder in absolut keiner Art und Weise erkennbar und nicht dem Verstand und der Vernunft des Menschen zugänglich sein soll, wie derselbe Menschenschlag in wiederum anderen Denkzusammenhängen auch zu behaupten pflegt. Dieser Menschenschlag weiß z. B., daß das Bibelüberwesen allmächtig ist. Es ist ein Wissen, über das zu verfügen einem ja noch einigermaßen plausibel erscheint, weil es nicht gegen logisches Denken verstößt, solche Megaeigenschaft intuitiv mit einem höchsten Wesen gedanklich zu verbinden. Im übrigen behauptet es dieses Wesen ja von Sich selbst: „Ich bin der allmächtige Gott; …“ ( 1. Buch Mose, K. 17; 1). Dann ist es für den hier angesprochenen Menschenschlag natürlich völlig klar, daß ein solches Wesen mit einer derartigen Fähigkeit existiert !

    5. Wenn man sich darauf einläßt, darüber nachzudenken und / oder zu diskutieren, ob wohl im Sinne der Bibel und / oder des Korans ein allmächtiges Überwesen irgendwie existieren / existiert haben könnte oder nicht, dann müßte, um „sinnvoll“ über eine solche Thematik diskutieren und reflektieren zu können, zunächst geklärt werden, ob man dabei bereit ist, die Logik aus dem Spiel zu lassen oder nicht. Menschen, die sich dem christlichen oder muslimischen Glauben ausgeliefert haben oder ihm ausgeliefert wurden, müssen die Logik ständig aus dem Spiel lassen, denn dies ist dort eine glaubensimmanente Prämisse. Aufgrund dieser Faktenlage werde ich hier bei meiner Beschäftigung mit der Thematik die Logik aus dem Spiel lassen.

    6. Ein höchstes Wesen, was man sich gedanklich als derart allmächtig vorstellt, daß für Ihn die Logik keine Rolle spielt, müßte denknotwendig völlig frei sein. In dem, was Es tun und / oder unterlassen möchte, bräuchte Es also prinzipiell keinerlei Rücksichten zu nehmen, und Es stünden Ihm auch keine irgendwie gearteten Hindernisse im Wege. Somit könnte es auch frei von jeder Beschaffenheit und Eigenschaft sein. Es könnte zwar jederzeit in einer beliebigen Beschaffenheit auftreten bzw. erscheinen und auch jederzeit von einer beliebigen Eigenschaft Gebrauch machen, muß es aber nicht. Woher weiß der angesprochene Menschenschlag also, daß und wann das gedanklich als allmächtig vorgestellte biblische Superwesen auch bereit ist, von irgendeiner Eigenschaft Gebrauch zu machen und sich von ihr auch – bei Ihm natürlich nur gewißermaßen – leiten zu lassen – z. B. allgütig oder allwissend zu sein ? Hier muß nämlich beachtet werden, daß irdisch begrenzte Macht (z. B. die eines Diktators oder auch einer Demokratie) oder Allmacht zu besitzen, zunächst ja nur bedeutet, daß eine Potenz, eine Möglichkeit zur Verwirklichung unbestimmter Ziele (notfalls gegen jeden Widerstand) latent gegeben ist.

    7. Macht und Allmacht zwingen nicht zu ihrem konkreten Gebrauch und auch nicht dazu, sie jeweils in allen ihren Schattierungen, Spielarten und ihren größtmöglichen Ausprägungen walten zu lassen. Es braucht sich also ein derart allmächtiges Wesen zu nichts gezwungen zu sehen. Da das hier behandelte Überwesen aber im Besitz der größtmöglichen Freiheit ist, könnte es sich dann auch jederzeit entschließen, sich ständig, punktuell, zeit- und / oder situationsbegrenzt gezwungen zu sehen, von seiner Allmacht in beliebiger Art und Weise und im beliebigen Umfang Gebrauch zu machen.

    8. Wenn dem Bibelmegawesen gedanklich zugestanden wird, allmächtig zu sein, dann ist man gezwungen, Ihm auch die Freiheit zuzugestehen, daß Es von Seinen Ihm unbegrenzt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nie oder z. B. nur in einer Art und Weise Gebrauch macht, die nicht den Vorstellungen und Erwartungen der Menschen entspricht, die daran glauben, daß ein solches Wesen existiert. Es bestünde also die Möglichkeit, daß Es z. B. nie von seinen angeblich vorhandenen Eigenschaften der Allgüte und Allwissenheit Gebrauch macht(e) oder sie nur punktuell oder in abgestufter Ausprägung einsetzt(e).

    9. Da man sich das biblische Superwesen in der Glaubensszene als allmächtig vorstellt, müßte Es, wie oben erwähnt, völlig frei sein, denn Allmacht kennt keine Grenzen und läßt jede nur denk- und undenkbare Möglichkeit zu. Diese Annahme führt aber zu der Paradoxie und Aporie, daß ein solches Wesen nicht zu existieren bräuchte, da Existenz eine irgendwie geartete Beschaffenheit ist, wie (siehe oben) z. B. Seh- und Sprachfähigkeit zu besitzen, mit Nase, Mund, rechter Seite und rechter Hand ausgestattet zu sein. Auch hier gilt natürlich, daß vollkommene Freiheit (Allmacht) beinhaltet, daß das höchste Wesen darin frei ist zu entscheiden, ob Es in irgendeiner Weise beschaffen sein, bleiben will oder nicht und ob Es irgendeine Eigenschaft von sich ganz oder teilweise, ständig oder wie auch immer zum Zuge kommen lassen will oder nicht.

    10. Im Zuge der Nutzung Seiner völligen Freiheit könnte das Überwesen auch beschließen, sich ganz oder teilweise, zeitlich bedingt oder für immer den Gesetzen der Logik zu unterwerfen (die auch von Ihm stammen müßten, wie die gesamte Schöpfung angeblich ja von Ihm stammen soll). Kontralogisch könnte Es z. B. zugleich irgendwie beschaffen und nicht beschaffen sein oder zugleich von irgendwelchen Eigenschaften Gebrauch und keinen Gebrauch machen. Ob und wann dieses Überwesen z. B. irgendwie existent, allgütig oder böse sein will, hängt somit davon ab, wie Es seine vollkommene Freiheit nutzt.

    11. Die vollkommene Freiheit gestattet es dem Bibelsuperwesen auch, daß Es seine Allmacht nicht immer und in jedem Falle so walten zu lassen bräuchte, wie es z. B. im Sinne menschlichen Verständnisses gütig, barmherzig, logisch, gerecht, sinnvoll oder sittlich geboten wäre oder wie es die Eigenschaften Allwissenheit und Allgüte nach demselben Verständnis verlangen würden. Daher könnte ein solche Wesen z. B. im Sinne menschlichen Verständnisses auch zugleich der Teufel sein, mit allen negativen Eigenschaften und Beifügungen, die der Mensch in seiner Vorstellung mit diesem Wesen zu verknüpfen pflegt. Denn bei diesem Wesen sollen ja alle Dinge möglich sein (z. B. Matth. 19; 26, Mk. 10; 27, u Hiob 42; 2).

    12. Im synoptischen Evangelium des Matthäus behauptet Jesus sogar, daß kein Sperling vom Himmel fällt, ohne daß Gott dies will (Matth.10; 29). Wenn das so ist, dann könnte man sich natürlich fragen, ob auch alle die Bomben, die bisher vom Himmeln gefallen sind, deswegen fielen, weil der Bibeldämon seine „ordnenden“ Händen dabei im Spiel hatte ?

    13. Welchen Grad der Vertrauenswürdigkeit will man in den Glaubensszenen einem derart in allen Farben schillernden Dämon zuerkennen, der im Sinne menschlicher Vorstellungen sowohl gut als auch böse sein kann. Man mag ja als klug gelten (wäre aber wohl eher als opportunistisch anzusehen), wenn man einem solchen Wesen blind gehorcht, wie es ja von den Menschen auch geschieht, die an die Existenz von Ihm glauben. Ein moralisches Verhalten kann darin aber keinesfalls erblickt werden. Und wie soll das gehen – einen solchen Dämon zu lieben ?

    14. Schreibt man einem Wesen die Fähigkeit zu, allmächtig zu sein, wie es beim biblischen Superwesen geschieht, so entzieht Es sich dadurch zwangsläufig der begrenzten gedanklichen Vorstellungskraft des Menschen. Nochmals: Ein solches Wesen könnte willkürlich, offen oder verdeckt jede beliebige Ursache setzen, die sowohl gute als auch fatale Wirkungen hervorbringen kann (z. B. völlig inhumane Wirkungen für Mensch und Tier). So soll ja der biblische Hauptdarsteller der Schöpfer des Universums und somit auch der Erde usw. sein. Zum Zeitpunkt Seiner Schöpfung müßte Er wohl irgendwie existent / beschaffen gewesen sein. Von Seinen sonstigen angeblich vorhandenen Allmachtsfähigkeiten hat er aber damals evtl. – aus welchen Gründen auch immer – absichtlich nur in allzu sparsamer Art und Weise Gebrauch gemacht. Allwissenheit und Allgüte hat er evtl. gar nicht zum Zuge kommen lassen. Diese mögliche „Fakten und Sachlage“ böte eine Erklärung dafür, daß es z. B. Krankheiten, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Hungersnöte, Unwetter, Flutkatastrophen, Seuchen, Kriege, Leiden Unschuldiger, Qualen Todkranker, Rachsucht, Dummheit, Neid, Habsucht, Unbarmherzigkeit usw. gibt.

    15. Für Menschen ist ein allmächtiges Wesen wegen der Ihm unbegrenzt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die Es in seiner absoluten Freiheit zügellos realisieren könnte, unberechenbar und sehr gefährlich. Das eröffnet gläubigen Menschen die ihnen sicher nicht unwillkommene wunderbare Möglichkeit, Ihm für alles Geschehen in der Erfahrungswirklichkeit die Verantwortung zuschreiben zu können – z. B. auch für die grausamsten Terroranschläge.

    16. Damit das gedanklich als allmächtig vorgestellte Überwesen in der begrenzten menschlichen Vorstellungskraft Platz und für den Menschen auf moralisch-sittlicher Ebene eine Verwendung finden konnte, ließ man dieses Wesen sich den Menschen als biblischer Gott in sogenannten heiligen Schriften „offenbaren“. In dieser „Offenbarung“ stutzte man dieses imaginäre Megawesen also auf ein Maß zurecht, daß Es von der Vorstellungskraft des Menschen eingefangen werden konnte und wenigstens rudimentär verstehbar wurde, da Es dort anthropomorphe Züge erhielt.

    17. Die in den sogenannten „Offenbarungschriften“ dogmatisch festgelegten religiösen Lehrinhalte sollten dann gegen alle Einwände durchgesetzt und kritikimmun gemacht oder wenigstens jeder Widerlegung entzogen werden. Dieses Schriftwerk „offenbart“ aber ein Wesen der absoluten Willkür und fordert eine bedingungslose und rechtlose Unterwerfung des angeblich zum Guten aus eigener Kraft unfähigen, die ewige Verdammnis verdienenden Menschen unter die völlig freie und ungebundene Gnade dieses Wesens. Es berichtet zudem über durch den biblischen Dämon initiierte oder von Ihm selbst ausgeführte archaisch grausame Gewalttaten, und es enthält eine unheilvolle Legierung von ethischen mit widerethischen Zügen oder umgekehrt. Bei der Verwendung dieses Schriftwerkes durch die christlichen Amtskirchen und deren Mitglieder werden durchweg aber nur die ethisch positiven Aspekte herausgestellt. Die ethisch negativen Aspekte und Textstellen werden möglichst (schamhaft ?) verschwiegen, da sie den heutigen, seit der Epoche der Aufklärung entwickelten und gewachsenen Standards kritischer Vernunft und aufgeklärt-humaner Ethik nicht entsprechen. Ihnen kann daher auch von den Amtskirchen und ihren Mitgliedern keine Leitbildfunktion mehr zugesprochen werden, gleichwohl sind sie skandalöserweise immer noch biblischer Bestandteil.

    18. Mit der Schaffung des biblischen Superwesens und des Inhaltes der „Offenbarungsschriften“ entstanden Paradoxien und Aporien, was bedeutet, daß sich die Menschen unwissend in verschiedene Denkfallen begeben haben. Durch die Schaffung dieses „Allmachtswesens“ und des Schriftwerkes entstand z. B. das berühmte Theodizeeproblem (http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee), das von den Theologen bis heute nicht gelöst werden konnte. Daß das Theodizeeproblem heute immer noch existiert, könnte daran liegen, daß das biblische Megawesen sich rgendwann schon längst aus seiner wie auch immer geartet gewesenen Existenz zurückgenommen und sich gleichzeitig aller seiner Eigenschaften (z. B. Allwissenheit und Allgüte) entledigt hat.

    19. In den „Offenbarungsschriften“ wurde das Bibelsuperwesen Zwängen unterworfen, da Es zunächst (im „Alten Testament“) als ein Wesen vorgestellt wird, was ständig Seine Macht demonstrieren, drohen, töten lassen oder selbst töten muß, was einer bestimmten Menschengemeinschaft (den Israeliten) bevorzug Sein Interesse zuwendet und sie an Sich zu binden versucht, was Sich an errungener Kriegsbeute beteiligen läßt und wiederholt ein gewalttätiges Verhalten offenbar nicht unterdrücken kann. Für Gläubige scheint es so zu sein, daß „ihr“ Megawesen sich gezwungen sah / sieht, schon im Diesseits wenigstens punktuell strafen zu müssen. Später (im „Neuen Testament“) wird Es bevorzugt als gütig, barmherzig, gerecht, die Menschen liebend und als ein Wesen vorgestellt, das offenbar für Seine „Sündenvergebung“ keine andere Möglichkeit sah, als für die Menschen Seinen Sohn (!) (oder Sich selbst ?) auf grauenvolle Art und Weise am Kreuz hinrichten zu lassen. Nach diesen „Offenbarungsschriften“ sieht dieser Dämon offenbar auch nur die Möglichkeit, im „Jenseits“ Gerechtigkeit üben und einen von Ihm privilegierten Teil der Menschheit nur dort ewig und leidlos leben lassen zu können, wo es dann paradiesisch zugehen soll.

    20. In den Glaubensszenen haben die „Offenbarungsschriften“ (die Bibel) zu der Vorstellung geführt, daß das biblische Megawesen Seine Ihm gedanklich zugesprochenen Megafähigkeiten nicht nur als Potenz besitzt, Es über sie also nicht nur ganz zwang- und leidenschaftslos in abstrakter Weise verfügt, sondern daß Es sie im Diesseits auch konkret zur Anwendung brachte / bringt. Für diese Menschen scheint es keine Frage zu sein, daß ihr Superwesen sich z. B. durch den von ihnen als bedenklich (gottlos ?) empfundenen irdischen Zustand oft veranlaßt sah / sieht, zeit- und situationsbedingt in den Verlauf menschlicher Biographien und in den Ablauf Seiner Schöpfung insgesamt mit Seiner Allmacht (korrigierend ?) einzugreifen.

    21. Insbesondere sind die Menschen in den Glaubensszenen von der Vorstellung beherrscht, daß sich ihr Megawesen bei Seinen Eingriffen in den irdischen Kausalnexus im besonderen Maße von Seiner Allgüte und angeblich grenzenlosen Liebe zu den Menschen leiten ließ / läßt. Diese Menschen sind nicht von dem Glauben abzubringen, daß „ihr“ Bibelmegawesen immer dann, wenn Es sich in einem milde gestimmten Zustand befindet, z. B. wirklich ihre kleinen und großen an Ihn gerichteten Gebete erhört und manchmal auch erfüllt, somit also Wünsche befriedigt, die wohl durchweg egoistischer Natur sein dürften.

    22. Diese Menschen sind ernsthaft der Meinung, daß aufgrund des Gejammers in ihren Gebeten „ihr“ Überwesen Seine Freiheit dazu nutzt, sich ihnen bevorzugt zuzuwenden, um ihre in den Gebeten enthaltenen sicher oft eigennützigen Erwartungen zu befriedigen. Offenbar sehen sie es nicht als egoistische Anmaßung von sich an, es „ihrem“ an sich unnahbarem Überwesen zuzumuten, daß Es Seine Freiheit dazu nutzt, aufgrund Seiner angeblich vorhandenen Liebe zu den Menschen eine bestimmte Eigenschaft von Sich bevorzugt zum Zuge kommen zu lassen – nämlich Seine Allgüte.

    23. Die Kleriker der christlichen Amtskirchen und deren Mitglieder behaupten zwar permanent-penetrant, daß „ihr“ Megawesen allmächtig sei. Daß sie ihre Behauptung auch selbst als wahr betrachten, kommt aber nicht gerade darin zum Ausdruck, wie sie Es wohl ständig empfinden und wie sie Es bevorzugt zu bezeichnen pflegen. Für sie ist Es nämlich fast immer nur der „Liebe Gott“. Wenn sie Ihn aber auf diese von ihnen bevorzugte Eigenschaft reduziert empfinden und sehen, widersprechen sie sich selbst. Ihr Empfinden und ihre Sichtweise machen es völlig klar, daß sie sich wohl unbewußt gar kein allmächtiges Wesen wünschen, das zu gefährlich wäre, unberechenbar und zügellos und damit letztlich (wie schon erwähnt wurde) auch der Teufel sein könnte. Sie wünschen sich und wollen – ohne es sich einzugestehen – nur einen „Lieben Gott“, der ihr Heils- und Glücksbedürfnis befriedigen soll. Ein solches Wesen kann man aber aus der Erfahrungswirklichkeit beim besten Willen nicht dechiffrieren.

    24. Es ist der zentrale Kern der in den Glaubensszenen herrschenden Denkpflicht zu meinen, daß das Überwesen, das in den biblischen Schriften die Hauptrolle spielt, wirklich existiert und tatsächlich mit der Allmacht ausgestattet ist, die ihm angedichtet wurde / wird. Hier stellt sich aber die Frage, wo und woran die Allmacht und deren Gebrauch konkret erkennbar sein soll / ist ? Wo und bei welcher Gelegenheit hat das biblische Überwesen seine Allmacht jemals für jedermann beweis- und nachvollziehbar walten lassen ? Was wir wahrnehmen ist eher die Tatsache, daß bisher übernatürliches Allmachtswirken nirgends auf der Erde und im Universum festzustellen war.

    25. Dieses angeblich existierende Allmachtswesen mußte es scheinbar zulassen, daß von Ihm angeblich geschaffene Engel von Ihm abfielen (wer oder was ließ eigentlich einen Teil dieser göttlichen Edelgeschöpfe illoyal werden ?), die dann angeblich zu Teufeln wurden und die Schöpfung so verdarben, daß sich selbst ein schlicht denkender Mensch eine bessere Welt vorstellen kann als die, welche wirklich existiert. Dieses Wesen mußte es wohl weiter zulassen, daß sich die „Sünde“ etablierte, die Menschen angeblich zu „Sündern“ wurden, daß die Menschheitsgeschichte so abartig verlief, wie sie es tat. Es mußte offenbar auch die Kirche mit ihrer oft grauenvollen Geschichte und mit ihrer sich selbst angemaßten Funktion als institutionelle christliche Glaubensverwalterin zulassen. Es hat das machtbesessene Papstum zugelassen. Die größten Zweifel an der Existenz dieses Allmachtswesen sind aber durch die Tatsache gerechtfertigt, daß die beiden Weltkriege, der Holocaust und der Abwurf der beiden Atombomben über Japan durch kein Allmachtswirken verhindert wurden.

    26. Dieser Dämon steht offenbar auch immer noch (nach 2000 Jahren) unter dem Zwang, ein „Jenseits“ schaffen zu müssen (oder muß man es ontologisch bereits als vorhanden betrachten ?), wo es Ihm danach gelüsten wird, alle Menschen aus dem Tode zu erwecken, um sie alsdann im Rahmen Seines „Jüngsten Gerichts“ in solche aufzuteilen, die Seiner „Hölle“ zuzuführen sind, wo sie angeblich ewig qualvoll zu leiden haben, und in solche, die Sein „Paradies“ und dort das ewige Leben leidlos genießen sollen. Ihm scheint es dagegen aber unverständlicherweise nicht möglich zu sein, im Diesseits grauenvolle Kausalketten zu unterbrechen und bessere beginnen zu lassen oder leidlosere Biographien und eine neue und humanere Menschheitsgeschichte zuzulassen usw. usw.

    27. Es entstand auch das Problem der menschlichen Willensfreiheit. Der hier behandelte Menschenschlag meint nämlich zu wissen, daß die von ihm behauptete Existenz des angeblich allmächtigen biblischen Superwesens Menschen objektiv nicht daran hindert, sich subjektiv immer so entscheiden zu können, wie es gottgefällig ist – also unter mehreren zur Auswahl vorhandenen Möglichkeiten immer die moralisch richtige auswählen zu können. Diese Auffassung steht aber im krassen Widerspruch zu der Behauptung der christlichen Amtskirchen, daß die gesamte sogenannte Schöpfung vom biblischen Megawesen stammt. Ist dieses Wesen aber die Ursache aller Dinge in der Welt, dann kann es keine menschliche Willensfreiheit geben, weil die gesamte Art und Weise des Denken und Handeln des Menschen als notwendige Folgen bzw. Wirkungen der göttlichen Ursachesetzung aufgefaßt werden müssen. Wenn man die angesprochene Behauptung also aufrechterhalten will, dann muß auch jedes Motiv (ob gut oder böse), das über den Willen des Menschen letztlich zu dessen Entscheidung führt, vom biblischen Dämon stammen. Und nicht nur das – auch die Möglichkeiten, die in Beschaffenheit und Anzahl zeit- und situationsbedingt zur Auswahl stehen, wären das Werk des Bibelmegawesens. Letztlich muß auch der konkrete Wille – die Entscheidung – von Ihm gelenkt sein. Freie Willensentscheidungen des Menschen würden bedingen, daß er sie nicht bei einer wie auch immer gearteten „Anwesenheit und Aufsicht des Bibeldämons“ fällen muß. Der menschliche freie Wille ist also in diesem Kontext eine Illusion. Der Witz bei dieser Schlußfolgerung ist der, daß sie mit den in der modernen Gehirnforschung gewonnenen Erkenntnissen übereinstimmt.

    28. Gesprochene und stumme Gebete sind wohl so beschaffen, daß sie das Bibelmegawesen nur erreichen können, wenn Es irgendwie existent ist. Wenn Es sich aber – aus welchen Gründen auch immer – entschlossen haben sollte, derzeit nicht irgendwie existent / beschaffen zu sein und auch nicht gewillt ist, von Seinen Megaeigenschaften Gebrauch zu machen, kann Es die Gebete wohl nicht „hören“ oder sonstwie „wahrnehmen“. In dem Falle verhallen sie vielleicht als vergeblich aufgewandte menschliche Energie im Nichts oder verbleiben innerhalb des individuellen Gehirns, wo sie möglicherweise wild an der Innenseite der Hirnschale hin und her reflektiert und so vielleicht als vermeintliche Antworten des Bibelsuperwesens vom Betenden mißinterpretiert werden.

    29. Vielleicht hat sich dieses nebulöse biblische Wesen schon vor langer Zeit aus seiner wie auch immer geartet gewesenen Existenz (dem Sein) zurückgenommen – warum auch immer – und hat uns alle uns selbst überlassen (1.Variante Seiner „Nicht(mehr)existenz“).

    30. Möglich wäre es auch, daß dieses Wesen vielleicht Scham und Gram darüber empfand, wie überwiegend verwerflich Es sich ausweislich des „Altes Testamentes“ aufgeführt und benommen haben soll. Vielleicht hat Es sich ja irgendwann selbstkritisch so gesehen, wie Es vom britischen Zoologen, theoretischen Biologen und Evolutionsbiologen Richard Dawkins (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dawkins ) in seinem Buch „Der Gotteswahn“, S. 45, gesehen wird: „…eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann“. Aufgrund dessen bestand der letzte „Allmachts- und Freiheitsgebrauch“ des biblischen Dämons vielleicht darin, Sich selbst in allem auf das Maß eines gewöhnlichen Menschen (evtl. in der Person Jesus‘, der ja ganz Mensch gewesen sein soll ?) geschrumpft und gleichzeitig seine „Allmacht“ unwiderruflich und für alle Zeit aufgegeben zu haben. Das erklärt vielleicht, warum es bisher zu keiner Parusie Jesus‘ gekommen ist – denn ohne das angeblich „allmächtige“ biblische Megawesen muß die Parusie ja notwendigerweise ausfallen (2. Variante Seiner„Nicht(mehr)existenz“).

    31. Beide hier aufgeführten möglichen Varianten der „Nicht(mehr)existenz“ des biblischen Superwesens könnten den Gläubigen eine Erklärung dafür liefern, warum die Menschheitsgeschichte (zumindest in den letzten 2.000 Jahren) so verlief, wie sie verlaufen ist – nämlich qualitativ überwiegend sehr negativ. Die Menschheit mußte also vielleicht aus diesen Gründen auf einen lenkenden, korrigierenden und gütigen Eingriff des biblischen Megawesens in den irdischen Kausalnexus verzichten.

    32. Ich habe mir vorstehend die Freiheit genommen, in der Art zu phantasieren, wie es in der Bibel und in der christlichen Szene Programm ist.

    Schlußbemerkungungen:

    Ein allmächtigtes Wesen muß nicht perfekt sein. Aus meinem Beitrag ergibt sich ja, daß die mit „Allmacht“ notwendigerweise verknüpfte größtmögliche Freiheit es dem Allmachtswesen gestattet, beliebig darüber zu entscheiden, ob und gegebenenfalls wann und auf welche Art und Weise Es seine Megaeigenschaften zum Zuge kommen lassen will, sofern man die Logik aus dem Spiel läßt. Somit müßte das biblische Megawesen auch zeit- und / oder situationsbedingt „nicht perfekt“ sein können. Oder anders ausgedrückt: Gerade dadurch, daß das Megawesen auch schwach (nicht perfekt) sein könnte, würde es sich zeigen, daß Es wirklich „perfekt“ bzw. allmächtig ist.

    Für ein allmächtiges Wesen kann es auch kein Gewicht geben, was Es nicht heben könnte und sei es auch unendlich schwer, weil Es aufgrund seiner (kontralogischen) Allmacht immer in der Lage wäre, instantan (ohne Zeitverzug) seine Kräfte insoweit aufzustocken, wie es dem Gewicht gegenüber angemessen wäre. Die Weiterverfolgung dieser Denklinie führt dann in einen unendlichen Regreß.

    Autor: Klarsicht.

    Nachtrag:

    Moral und / oder „Allmacht“ des biblischen Megawesens ?

    1. In der christlichen Glaubensszene gilt scheinbar auch eine Denkpflicht dahingehend, daß selbstverständlich alles, was das biblische Megawesen angeblich macht(e) und gebot / gebietet, deswegen moralisch gut war / ist, weil Es in seiner „Natur“ liegt, immer nur moralisch Gutes machen und gebieten zu können. Bestünde tatsächlich eine derartige Denkpflicht, dann dürfte man aber nicht mit der Behauptung hausieren gehen, daß dieses Wesen „allmächtig“ sei. Denn ein Wesen wäre weit davon entfernt, allmächtig zu sein, wenn es sich z. B. aus angeblicher Liebe zu den Menschen gewissermaßen „gezwungen“ sähe, ihnen gegenüber immer nur moralisch Gutes machen und gebieten zu können.

    2. Meint man in der Glaubensszene jedoch, daß das von ihr angehimmelte Superwesen sich keinesfalls „gezwungen“ sehen muß, immer nur gut sein zu müssen, dann dürfte man dort die Behauptung, daß Es allmächtig sei, wieder ins Spiel bringen. In dem Falle dürfte man dort allerdings logischer- und redlicherweise nicht mehr darauf vertrauen, daß alles, was dieses Wesen angeblich macht(e) und gebot / gebietet, nur moralisch gut sein konnte / kann.

    3. Den Klerikern der Amtskirchen und Mitgliedern der christlichen Glaubensszene steht es in keinem Falle zu, sich selbstherrlich die Freiheit zu nehmen, darüber zu befinden / spekulieren, auf welche Art und Weise das von ihnen angehimmelte Bibelmegawesen wohl von seiner grenzenlosen Freiheit Gebrauch macht / machen wird. Daher würde eine Denkpflicht, die zum Inhalt hat, daß das Megawesen immer nur moralisch gut sein kann, implizit einen Eingriff in dessen Freiheit (Denk- und Handlungsautomie) darstellen. Außerdem würden sie sich mit einer solchen Denkweise selbst belügen, weil die sogenannten „Offenbarungsschriften“ für jedermann erkennbar genügend „Beweise“ dafür enthalten, daß der Bibeldämon seine grenzenlose Freiheit auch dazu nutzte, sich kontramoralisch zu verhalten. Siehe z. B. die unmoralische Wette, die Er ausweislich des Buches „Hiob“ angeblich zulasten von Hiob, dessen Familienmitglieder und seines materiellen Besitzes mit dem Teufel eingegangen sein soll.

    Gott ist tot:
    http://www.youtube.com/watch?v=YcV7Jxet4rI&feature=related

    Erstellt am 14.10.2012

  5. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Gäbe es einen allmächtigen Gott, brauchte er weder Zwischenhändler
    noch Verteidiger.

    Erstellt am 25.10.2012

  6. Beitrag von Oldenburg, Dittmar

    Ihr Untertitel lautet: »Lehren der christlichen Kirchen
    unter dem Gesichtspunkt der Logik«. Um Logik geht es also!

    Wäre die Existenz Gottes bewiesen, kann man nicht mehr an ihn glauben. Das ist Logik! Glauben hat seine Wurzeln im Nicht-Beweisbaren, denn was ich beweisen kann, besitze ich als Element meines Wissens, weshalb ich daran nicht (mehr) glaube!

    Ich GLAUBE, der Glaube ist eine ganz persönliche, private Angelegenheit. Alles, was Menschen jemals gedacht, entschieden und gemacht haben, sind weder Argumente für noch gegen Gott oder die Kirche. Es waren Menschen, und somit urteilen wir, ausgehend von unseren persönlichen moralischen Werten auch über Menschen! Aber nicht über Gott!

    Erstellt am 29.12.2012

  7. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Hätte ein Gott diese unsere Welt erschaffen,
    verdiente er Verachtung statt Verehrung

    Erstellt am 06.07.2013

  8. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Was ich nicht wissen kann und niemand sonst,
    das kann und will ich auch nicht glauben.

    Erstellt am 11.07.2013

  9. Beitrag von Klaus Schmude

    Ich glaube schon dass es einen Gott gibt, eine geistige Macht, eine Kraft vor und in den Dingen. Nur hat dieser Gott wohl nichts mit diesem biblischen Ungeheuer zu tun, und schon lange nicht mit seinem versponnenem Sohn. Das sind natürlich geistige Auswüchse und Absurditäten aus der Antike. Nur die gewaltige Kraft der Tradition und die geistige Bequemlichkeit und Dummheit der Menschen lässt diese Figuren noch leben.

    Erstellt am 09.11.2013

  10. Beitrag von Philo

    Mal abgesehen vom Theodizee-Problem (Epikur), vom Euthyphron-Dilemma (Diskurs zwischen Euthyphron und Sokrates), vom Draygombs Paradoxon und vom logischen Ausschluss zwischen Allwissenheit und Allmacht, entwickelte ich die These, dass das Prädikat der Vollkommenheit für noch so befähigte Wesen unmöglich ist.
    Zugrunde gelegt habe ich die Überlegung, dass ein vollkommenes Wesen keinerlei Defizite und somit keinerlei Bedürfnisse haben kann.
    Der Zustand der Vollkommenheit beschreibt daher einen absolut spannungsfreien Zustand, frei von Bedürfnissen / Wünschen / Ziele…
    Wenn nun behauptet wird, Gott wolle etwas und verfolge somit ein Ziel, dann geht dieser Bestrebung unleugbar ein Bedürfnis voraus, denn bereits die erste Willensbildung kann ohne dessen Bedürftigkeit gar nicht erst aufkommen.
    Gott als Vollkommenheit wäre somit logisch begründet widerlegt, sodass sich Gottglaubende zur Verteidigung der Gottesthese nur noch unlogischer Argumente bedienen können.
    Nur; wer mag schon gerne unlogisch Argumentieren?

    LG, Philo

    Erstellt am 18.04.2014

  11. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Solange religiöse Machthaber sich auf einen Gott berufen, dessen Existenz nicht nachgewiesen ist, heiliggesprochene Schriften zudem als sein Wort hingenommen werden, wird religiöser Machtmissbrauch, wie ihn die Welt in allen denkbaren Facetten seit Urzeiten vor Augen führt, weiter fortbestehen.

    Erstellt am 28.03.2015

  12. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Von sich behaupten, er sei der Weg, das Leben und die Wahrheit,
    kann nur ein Hochstapler

    Erstellt am 03.04.2015

  13. Beitrag von Elke P.

    Unfassbar! Schon wieder ist etwas Unmenschliches geschehen …
    Jetzt werden Ungläubige erneut behaupten: „Es gibt keinen Gott, und selbst wenn es einen gibt, dann besitzt Gott kein Herz!“ Und Gläubige können wiederholt antworten: „Alles hat seinen Sinn, auch wenn wir ihn mit unserer menschlich begrenzten Verstandeserkenntnis nicht begreifen können!“
    Abgesehen davon, dass die Frage: „Warum greift Gott nicht ein?“ auch eine Standardfrage der Ungläubigen darstellt, sind Standardantworten der Gläubigen ungeeignet, aufgewühlte Seelen zu glätten oder verzweifelt Suchenden eine akzeptable, glaubensstarke Antwort fürs Leben zu geben.
    Auf unserer Welt geschieht quasi im Sekundentakt Unheil: Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Krieg, Terror, Seuchen, Hunger, Naturkatastrophen, Neid, Feindseligkeiten, Hass, Lug und Trug, Ungerechtigkeiten – Unheil im Großen wie im Kleinen.
    Ich frage mich jedoch, was wäre, würde ein Gott pausenlos zuschlagen oder eingreifen? Würde er sich letztlich nicht selbst ad absurdum führen? Und wären wir dann Menschen, so wie wir jetzt Menschen sind, trotz allem, oder wären wir eher willenlose Drahtpuppen in den Händen eines allmächtigen Drahtziehers? Vielleicht Spielfiguren auf einem Spielbrett? Bestünde die Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen, zu vergeben, zu lieben? Und die Erde – würde sie womöglich zum Paradies, weil naturkatastrophisch verschont?
    Ich denke – NEIN!

    Erstellt am 17.09.2015

  14. Beitrag von Uwe Hillebrand

    Trotz noch so vieler Versuche gilt nach wie vor: Das Theodizee-Problem ist nur lösbar, wenn die Kirche nicht mehr behauptet, ihr Gott sei allmächtig und allgütig. Jemand, der allgütig ist, kann das
    Unglück der Menschen und auch der Tiere nicht aushalten. Er wird wegen seiner Allgüte alles tun, damit das Leid gar nicht erst entsteht. Es sei denn, er hätte nicht die Macht dazu. Man kann sich drehen und wenden wie man will, Allgüte ist Allgüte, und Allmacht ist Allmacht.

    Erstellt am 11.11.2015

  15. Beitrag von Will, Karl H.

    Der Aberglaube ist Ursprung allen Gottesglaubens

    Erstellt am 09.01.2016

  16. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Wer an keinen.Gott glaubt, wird von keinem Gott verlassen.

    Erstellt am 28.02.2016

  17. Beitrag von Will, K. Heinrich

    Gottheiten sind Fktionen, deren Beschaffenheit den Grenzen menschlicher Vorstellungskraft unterliegt.
    Unbegrenzt ist ihre Zahl, ihre Subbstanz dagegen ist engbegrenzt.

    Erstellt am 09.02.2017

  18. Beitrag von Will, K. Heinrich

    NICHT oder DOCH ? Nicht wissen schließt jede Nachweisbarkeit aus. Glaube und Aberglaube bilden insofern eine unzertrennliche Einheit. Mit ihr erdichten sich Gottesverkünder seit eh und je goldene Nasen.

    Erstellt am 16.03.2017

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