von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Wunder gründen sich ausschließlich auf die Erzählungen derjenigen, die sie gesehen oder erlebt haben wollen. Unabhängige Zeugen gibt es nicht bzw. kann es nicht geben. Personen, die von einem Wunder berichten, hatten – nach eigener Auskunft – Kontakt mit etwas Übernatürlichem, sie waren scheinbar in einer anderen Welt. Denn sie wollen Dinge gesehen oder erlebt haben, die sonst niemand sieht oder erlebt. Die Erfahrungen aus dem täglichen Leben zeigen hingegen, dass alle Dinge ihren Gang gehen und von dieser Welt sind, höchstens gibt es manchmal unwahrscheinliche Zufälle. Die meisten Menschen wissen, was sie von den Worten etwa eines Bekannten zu halten haben, und bei einigen Äußerungen winken sie kurzerhand ab, womit sie sagen wollen, dass sie die Sache, um die es geht, nicht glauben können.
Klassische Wunder im Sinne der katholischen Kirche sind die Marienerscheinungen, von denen vor allen Dingen Kinder, die ja immer sehr verlässlich in ihrer Aussage sind, berichten, und die bevorzugt Katholiken widerfahren. Der katholische Glaube muss wohl doch der richtige sein. Die evangelische Kirche lehnt diese Marienerscheinungen ab. Ist also jemand als Protestant auf der Welt, dann gibt es für ihn diese Erscheinungen nicht. Dagegen darf ein Katholik zu einem Wallfahrtsort pilgern, an dem Maria erschienen sein soll. Ein Protestant kann zwar dorthin fahren, aber es bringt ihm nicht viel ein. Man könnte es auch so ausdrücken, dass für die Protestanten diejenigen, die solch eine Marienerscheinung gehabt haben wollen, schlichtweg Spinner sind.
Allen bekannt dürften die Marienerscheinungen von Lourdes (Frankreich) aus dem Jahre 1858 sein, bei der die heilige Maria wiederholt dem 14-jährigen Mädchen Bernadette Soubirous erschienen sein soll. Seitdem besuchen den Ort jährlich Millionen von Pilgern, die sich von einem Wasser Heilung versprechen, das aus einer Quelle stammt, die von diesem Mädchen freigelegt wurde. Tatsächlich kam es dabei in seltenen Fällen zu Spontanheilungen, welche die katholische Kirche als Wunderheilungen ansieht.
Von fast 7000 Fällen von Heilungen in Lourdes hat die römisch-katholische Kirche bis heute 67 als »Wunder« anerkannt, das entspricht nicht einmal 1 % . Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, warum so relativ wenig kranke Menschen durch ein Wunder von ihrem Leiden geheilt worden sind. Wie sind die Auswahlkriterien? Gläubig sind höchstwahrscheinlich alle dieser Kranken, sonst wären sie nicht nach Lourdes gepilgert. Sind die Wundergeheilten etwa besonders gläubig? Außerdem sind 80% der Wundergeheilten Frauen. Hat da die heilige Maria ihre Geschlechtsgenossinnen vielleicht bevorzugt? Seltsam ist, dass Erbkrankheiten bislang nicht geheilt worden sind, was mag sich Gott dabei wieder gedacht haben?
Spontanheilungen sind in der Medizin ein bekanntes Phänomen, bei dem eine Krankheit von selbst wieder verschwindet. Gleichwohl handelt es sich dabei um sehr seltene Ereignisse. Statistische Betrachtungen haben gezeigt, dass in Lourdes spontane »Wunderheilungen« deutlich geringer auftreten als Spontanheilungen im Normalfall. Letzten Endes bleiben als Beweis für die Marienerscheinungen nur die Aussagen des 14-jährigen Mädchens, kein anderer hat die heilige Maria noch gesehen. Die katholische Kirche hat gerne den Wahrheitsgehalt dieser Erscheinungen bestätigt, weil sie ab und zu Wunder für ihre Gläubigen braucht. Und 1933 hat sie Bernadette Soubirous heilig gesprochen, die allerdings bereits mit 35 Jahren an Knochentuberkulose gestorben ist. Man würde meinen, dass einer Heiligen solch ein Schicksal erspart geblieben wäre.
Bei der Marienerscheinung in Fatima (Portugal) im Jahre 1917 waren schon drei Kinder beteiligt, die 10-jährige Lucia dos Santos, ihr Vetter Francisco Marto, 9 Jahre alt, und ihre Cousine Jacinta Marto, 7 Jahre alt. Die Botschaft, die diese drei Kinder bei den Erscheinungen nach eigenen Aussagen mitgeteilt bekommen haben wollen, ist in drei so genannten Geheimnissen enthalten.
Das 1. Geheimnis ist eine Vision der Hölle und scheint aus dem Drehbuch für einen Horrorfilm zu stammen. Da ist von einem Feuermeer tief in der Erde die Rede, von Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, von schrecklichen Teufeln in Gestalten von scheußlichen Tieren. Alles wird auf die Art dargestellt, wie man sich zu der Zeit die Hölle halt vorstellte. Lucia hat das Geheimnis am 31. August 1941 aus der Erinnerung aufgeschrieben, lesen und schreiben konnte sie 1917 noch nicht. Die anderen beiden Kinder waren früh verstorben. Dieser Text wurde dann am 13. Mai 1942 vom Vatikan veröffentlicht. Es ist ausgesprochen verwunderlich, dass dem Vatikan dieser naive Bericht aus der Hölle, in dem die Seelen als durchsichtige schwarze oder braune glühende Kohlen in menschlicher Gestalt beschrieben wurden, nicht höchst peinlich war. Stattdessen hat er ihn anerkannt.
Heute gehen Theologen davon aus, dass die Hölle nicht existiert, da sie nicht zu einem Gott der Liebe passe. Wenn das stimmt, was wollen die Kinder dann gesehen haben? Hat ihnen der Pastor des Ortes bei der Hölle etwa nur ein Märchen erzählt, wobei er selbst nicht gewusst hat, dass es ein Märchen ist? Sicherlich war alles wieder symbolisch gemeint, entweder von den Kindern oder von Gott.
Das 2. Geheimnis wurde ebenfalls von Lucia am 31. August 1941 aus der Erinnerung aufgeschrieben und darauf einem Bischof übergeben, der es dem Vatikan übergab. Darin wurde der Zweite Weltkrieg vorhergesagt und die spätere Bekehrung Russlands. Den Zweiten Weltkrieg hätten 1941 ziemlich viele Menschen voraussagen können, denn er dauerte schon fast zwei Jahre. Aber natürlich hat Lucia alles vollends aus der Erinnerung heraus aufgeschrieben. Und was die Bekehrung Russlands angeht, also das Ende des dortigen Kommunismus, die konnte man natürlich voraussagen, irgendwann würde sie gewiss eintreten. Für einen gläubigen Menschen wie Lucia war das eine Selbstverständlichkeit.
Das 3. Geheimnis schrieb Lucia am 3. Januar 1944 auf, im Jahre 1957 erst gelangte der Brief zum Vatikan, und in Jahre 2000 schließlich wurde er bekannt gemacht. In diesem Geheimnis wurde ein Mensch von Soldaten getötet, der für Lucia wie ein Papst aussah. Für den Vatikan war das eine Prophezeiung des Attentats auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 auf dem Petersplatz in Rom. Zum Glück hatte der Papst das Attentat überlebt, und Johannes Paul II. wusste sogar selbst den Grund dafür. Die von ihm verehrte Maria hätte ihn vor Schlimmerem bewahrt, indem sie die Gewehrkugel umgelenkt hätte. Nun, wenn das so war, hätte sie die Kugel ruhig noch ein bisschen mehr ablenken können, und er wäre gar nicht erst getroffen worden. Obwohl der Papst bei diesem Attentat nicht getötet wurde, die Prophezeiung war korrekt. Denn Kardinal Bertone sagte zu dieser Diskrepanz zwischen Erscheinung und Wirklichkeit:
»Prophezeiungen werden nicht von einem deterministischen Fatalismus begleitet. Gebet und Buße sind stärker als das Böse und Gewehrschüsse.«
Man sieht, der Vatikan weiß immer die richtige Antwort. Welche Gewehrkugel würde bei derart inbrünstigen Gebeten nicht lieber einen Bogen um ihr Ziel machen? Und er sagte, dass man daran sehen könne, dass Umkehr, Buße und Gebet den Lauf der Geschichte ändern können. Mit der Umkehr hatte er ganz bestimmt Recht.
Bei der letzten Erscheinung, die am 13. Oktober 1917 stattfand, beobachteten 70000 Menschen, andere Schätzungen gehen von 50000 Menschen aus, ein so genanntes Sonnenwunder. Dabei soll sich die Sonne mit großer Geschwindigkeit gedreht haben, vergleichbar einem Feuerrad, und sie schien auf die Erde zu stürzen. Abgesehen davon, dass hinterher wahrscheinlich relativ wenige zu ihren Beobachtungen befragt worden sind, weiß jeder Psychologe, wie es zu solchen berichteten Massenimaginationen kommt. Und in Erwartung eines Wunders sind manche Menschen felsenfest überzeugt davon, dass sie Dinge gesehen haben, die nur übernatürlich zu erklären sind. Zumal wenn andere diese ebenfalls gesehen haben wollen. Außerdem, und das ist entscheidend, ist in keinem astronomischen Observatorium auf der Welt ein solches Verhalten unserer Sonne beobachtet worden. Zudem wären die Auswirkungen solch eines »Sonnenwunders« auf den Planeten Erde fatal gewesen. Zwar lässt sich heutzutage nicht mehr nachvollziehen, was die vielen Menschen in Fatima damals gesehen haben wollen, ein »Sonnenwunder« war es jedoch nicht.
Man könnte jetzt weitere scheinbar erlebte Wunder auf ihren logischen Wahrheitsgehalt untersuchen, aber das brächte keine neuen Erkenntnisse. Immer wieder wird von Erscheinungen von Engeln, Jesus, Maria oder anderen übernatürlichen Erlebnissen berichtet, die einzelne oder mehrere Menschen gemeinsam gehabt haben wollen. Und obgleich die Beschreibungen dieser Erlebnisse, wie häufig im Leben, bei der Weitergabe von Mund zu Mund mehr und mehr verändert werden, bleibt doch als Tatsache bestehen, dass allein Worte der Beweis dafür sind. Wie könnte es auch anders sein?
Letzte Änderung: 03.03.2010
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Beitrag von Christian Allenbach
Wenn Engel Haeuser transportieren.
Loreto – Ein himmlisches Umzugsunternehmen
In Loreto kann man die »Casa santa« besuchen. Und dort erfahren, dass man sich angeblich mitten in dem Haus befindet, in dem Maria vom Engel Gabriel die frohe Nachricht erhielt, dass sie die Mutter des Erlösers werden sollte.
Man staunt etwas: Ein solches Haus, wenn es denn tatsächlich noch existieren sollte, müsste eigentlich in Nazareth stehen, einige tausend Kilometer entfernt. Doch man wird aufgeklärt: Engel haben es hertransportiert! Und zwar genau am 10. Dezember 1294!
Allerdings nicht direkt aus Nazareth, auch himmlische Transportunternehmer machen bisweilen Umwege: Nein, aus Tersato bei Rijeka in Kroatien. Dort hatten sie das Haus drei Jahre zuvor schon mal »zwischengelagert«. Und auch in Loreto wurde es dann noch zweimal um einige Schritte verrückt – auf so große Entfernungen lässt vielleicht doch die Zielgenauigkeit etwas nach.
Und ausgerechnet an einem solchen Ort fordert uns Papst Ratzinger dazu auf, »kritisch« und »wachsam« zu sein, und nicht alles zu glauben, was uns vorgesetzt wird … »Wohlan denn Herz«, sprach Hermann Hesse, »nimm Abschied und gesunde!«
http://www.denk-mit.info/denkmit2007/denkmit26sept07/derpapstalsendzeitfanatiker.html
www.allenbach-ufo.com
Erstellt am 06.06.2008