von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Wie im Kapitel über die Kirchensteuer gezeigt wird, gibt in Deutschland die öffentliche Hand jedes Jahr Milliarden Euro für die Kirche und im Namen der Kirche aus, die selbst wenig oder gar nichts zu ihren Kosten beisteuert. Man könnte dieses Faktum jetzt in der Weise interpretieren, dass die Kirche derartig bedürftig sei, dass ihr von der Allgemeinheit finanziell unter die Arme gegriffen werden müsse, obwohl das zumindest die Konfessionslosen nicht unterschreiben würden. Ist unsere Kirche bedürftig?
Dazu ist zu sagen, dass die beiden Großkirchen zu den reichsten Unternehmen in Deutschland gehören. Das gesamte Vermögen der Kirche (Barvermögen, Aktien, Immobilien, Investmentfonds, Firmenbeteiligungen und eigene Firmen) beläuft sich auf rund 500 Milliarden Euro. Rechnet man die Flächen der Städte Bremen, Hamburg, Berlin und München zusammen, so besitzen die beiden Kirchen gemeinsam ungefähr das Dreifache davon an Grund und Boden. Und auf diesem Boden stehen Häuser, die der Kirche beträchtliche Mieteinnahmen einbringen.
Arm ist die Kirche also wirklich nicht, sie könnte leicht auf die Kirchensteuer verzichten. Die katholische Kirche weist in diesem Zusammenhang gerne darauf hin, dass z.B. der Kölner Dom unverkäuflich sei. Das stimmt natürlich, doch z.B. Wälder, Grundstücke, Brauereien, Bürogebäude oder auch Aktien und sonstige Firmenbeteiligungen ließen sich durchaus verkaufen, wenn die Kirche es nur wollte. Aber warum sollte sie das tun, wo doch der Steuerzahler gut für sie sorgt? Alles in allem gehen die regelmäßigen Einkünfte des profitorientierten Unternehmens Kirche in die Milliarden. Einem Unternehmen, das dermaßen gut dasteht, dem lässt man nicht auch noch Milliarden Euro an Subventionen zukommen.
Man stelle sich einmal vor, dass bei den Konzernen Siemens oder Daimler die Gehälter der Führungskräfte alle von der öffentlichen Hand bezahlt werden würden. Wenn das die Bevölkerung erfahren würde, der Protest würde gar nicht mehr enden. Bei der Kirche liegt tatsächlich der Fall vor, dass in diesem Konzern, und um solch einen handelt es sich nach dem zuvor Gesagten, die Gehälter der leitenden Angestellten (Bischöfe/Kirchenpräsidenten) von der Allgemeinheit getragen werden. Und das, obwohl dieser Konzern ein riesiges Vermögen angehäuft hat. Mit welchem Recht wird mit dem erarbeiteten Geld des Steuerzahlers so bedenkenlos umgegangen?
Zu diesem Thema soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass auch der Vatikan über ein beträchtliches Vermögen verfügt, dessen geschätzter Wert mindestens 1,2 Milliarden Euro und höchstens 12 Milliarden Euro beträgt. Dazu gehören Goldreserven, Immobilien, Schatzbriefe, Aktien und festverzinsliche Wertpapiere. Gemäß Matthäusevangelium (6,24) hat Jesus gegenüber seinen Jüngern den Ausspruch getan: »Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon«. Hier hat sich Jesus aber geirrt.
Letzte Änderung: 07.03.2010
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