Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

* Aktuelles *

Missbrauch

Immer wieder liest man in Zeitungen und Zeitschriften, dass sich kirchliche Würdenträger an ihnen anvertrauten Kindern sexuell vergehen und damit zum Verbrecher werden. Anscheinend können das diese Träger der kirchlichen Würde mit ihrem christlichen Glauben vereinbaren. Denn sie erzählen uns immer wieder, dass ihr Gott bei allem zuschauen würde, aber für sie selbst gilt das wohl nicht.

Auf das oft lebenslange Leid der Verbrechensopfer, auf ihre Scham, ihre Verzweiflung und Angst, soll hier nicht eingegangen werden. Nun sind Priester oder Pater, so sagt die Kirche, von keinem Geringeren als von Gott berufen worden. Das steht im Katechismus der Katholischen Kirche und das betonte auch der jetzige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, in einer Predigt. Und da Gott bekanntlich allwissend sein soll (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, siehe dazu Kurz-Katechismus), müsste er natürlich um die kriminellen Seiten seiner Diener bereits vorher gewusst haben. Trotzdem hat er sie berufen und damit zugelassen, dass sie den Opfern so viel Leid zufügen konnten. Wohlgemerkt, es geht nicht um den freien Willen dieser so genannten Würdenträger, nach dem sich jeder Mensch für das Gute oder für das Böse entscheiden könne, sondern darum, dass ein allwissender Gott sie trotz ihrer kriminellen Neigung in das Kirchenamt berufen haben soll. Bei seiner Allgüte, die ihm die Kirche ebenfalls attestiert, lässt sein Verhalten nur den Schluss zu, dass er nicht allwissend sein kann (s. dazu bei Allwissenheit).

Die Kandidaten für das Priesteramt können sich zwar weiterhin berufen fühlen, aber nicht, weil sie ihr Gott gerufen hätte. Denn das würde der Allgütige nie tun, da er ja weiß, dass er nicht alles weiß. Und er könnte sonst jemanden rufen, der dann später als Priester …. .

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Bischof Mixa

Der Herr Bischof war ja mal, lang ist´s her, Stadtpfarrer in Schrobenhausen. Er wurde Priester, weil ihn sein Gott berufen hat. Wie das geht? Nun, Gott hat ihn gerufen, sagt generell Erzbischoff Zollitsch. Dieser Priester, inzwischen Bischof und sogar promoviert, was nicht immer etwas bedeutet, tritt dann viele Jahre später vor die Fernsehkamera und verstößt wissentlich gegen das 8. Gebot seines Herrn. Und er wiederholt eindringlich diesen Verstoß. Der nachdenkende Mensch fragt sich ernsthaft und immer wieder: »Wie kann so etwas sein?« Bei einem einfachen Menschen, da kann man das vielleicht noch verstehen, aber bei einem von Gott persönlich berufenen Bischof? Und nebenbei: Da Gott auch alles Zukünftige weiß, wusste er um diesen Verstoß bereits viele Jahre vorher. Deswegen wäre es nett von ihm gewesen, wenn er uns darauf vorbereitet hätte.

Herr Mixa hat aber, das muss man ihm lassen, dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Allerdings nur zunächst. Dann wollte er wieder nicht gehen, meinte, sogar eine Verschwörung im Verhalten des Papstes sehen zu können. Aber jetzt geht er doch. Denn gegen Gott lässt es sich leicht kämpfen, aber gegen den Papst? Er wird also pensioniert, und bei seiner Pension muss man als Gehaltsstufe B6 zu Grunde legen, das ist die Auskunft des Bistums Augsburg. Wer im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, der weiß, dass das 7750 € im Monat sind. Von solch einem Gehalt träumen viele. Da kann man schon mal in Pension gehen.

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Kruzifix

Frau Özkan, die neue niedersächsische Sozialministerin, ist eine aufrechte Frau. Denn sie hat sich gesagt: Wenn das Bundesverfassungsgericht (1995) eine Sache für richtig beurteilt, dann ist sie auch richtig. Weit gefehlt. Die Verfassungsrichter waren zwar der Meinung, dass »Die Anbringung eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, gegen Art 4 GG verstößt«, aber für die Christlich Demokratische Union ist das noch lange nicht bindend. Übrigens, für die so genannten Bekenntnisschulen übernimmt das jeweilige Bundenland durchschnittlich 90 % der Kosten, also gehören die eindeutig den Kirchen! Allerdings würde sich Adam Riese darüber doch ein wenig wundern.

Recht hat die CDU, und die CSU sowieso. Ein Klassenzimmer ist dafür da, dass für einen Verein geworben werden kann. Denn nichts anderes ist die Kirche, eine Vereinigung gläubiger Menschen. Und man hat gehört, dass so ein Kruzifix in einem Klassenzimmer ein Zeichen für religiöse Toleranz sein soll, obwohl dieses Argument, wenn es denn eins ist, für einen normal denkenden Menschen einfach nicht nachzuvollziehen ist, so sehr er sich auch Mühe gibt. Aber nachts ist es ja auch kälter als draußen.

Hier noch ein Vorschlag. Gerade Niedersachsen hat der Firma VW viel zu verdanken. Wie wäre es denn, wenn dort in jedem Klassenzimmer, auch der Bekenntnisschulen, neben dem Kruzifix noch das Logo dieser Firma hängen würde. In einem anderen Bundesland könnte dann z.B. der Mercedesstern an der Wand hängen, in Bayern dürfte natürlich BMW etwas aufhängen. Aber das verstößt dann wahrscheinlich gegen die Automobilfreiheit der Schüler.

Letzte Änderung: 09.08.2010

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von Lena Jochum

    Seltsam, dass scheinbar ausgerechnet in Kirchenkreisen so zahlreiche Missbrauchsfälle bekannt werden und wohl auch tatsächlich stattgefunden haben. Zufall? Die Frage habe ich mir gestellt. Kein Zufall ist meine Antwort. Ist es nicht abzusehen, dass Männer, denen es nicht gestattet ist Ihre Sexualität normal auszuleben ein gestörtes Verhältnis zu ebendieser aufbauen? Der Sexualtrieb liegt in der Natur des Menschen und ich vermute, denn ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen, dass das Zölibat eine unglaublich schwere Last auf den Schultern der Kirchenmänner ist. Natürlich rechtfertigt das in keinster Weise, dass sich an wehrlosen Kindern vergangen wird, aber dennoch denke ich, dass die Täter in diesen Fällen auch Opfer sind. Opfer einer völlig veralteten und realitätsfernen Kirchenpolitik.

    Erstellt am 06.09.2010

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