Warum glaubst Du noch? Lehren der christlichen Kirchen
unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Einsturz einer Kirche

Der Gott des Christentums soll, folgt man den Worten der christlichen Kirche, allmächtig sein. Etwas anderes ist auch einem Gläubigen nicht zu vermitteln, denn einen Gott, der nicht allmächtig sein soll, den braucht er nicht. Für ihn muss ein Gott etwas können, was der Mensch eben nicht kann, und der Mensch ist nun mal nicht allmächtig. Solch ein Gott muss aber seine Allmacht nicht unbedingt im positiven Sinne einsetzen, warum auch immer, und damit hätte die Kirche dann so ihre Schwierigkeiten. Deswegen soll darüber hinaus ihr Gott auch noch allwissend, allgütig, allbarmherzig und allgerecht sein, er soll die Menschen lieben. Durch diese ihrem Gott attestierten Eigenschaften wagt sich die Kirche weit vor, de facto ist es damit um die Allmacht schlecht bestellt. Denn basierend auf den Eigenschaften Allgüte, Allbarmherzigkeit und Allgerechtigkeit müsste ein allmächtiger Gott stets sofort einschreiten, wenn diese dies verlangen würden. Die Allwissenheit würde dafür sorgen, dass er immer über alles im Bilde ist. Zusammengefasst müsste also die Liebe für die Menschen die Grundlage für sein Handeln sein, ein wahrlich göttlicher Anspruch.

Allerdings ist ein positives Eingreifen eines Gottes in unsere Welt nie zu erkennen, was eigentlich auch die Gläubigen längst stutzig gemacht haben müsste, denn diese Tatsache berührt doch massiv ihren Glauben. Aber sie scheinen das nicht so zu sehen, besser gesagt, sie wollen es nicht sehen, was jemand, der gewöhnt ist, unabhängig von der Sachlage logisch zu denken, einfach nicht begreifen kann. Wenn es auch durchaus verschiedene Motivationen für einen Menschen gibt, religiös gläubig zu sein, so muss er doch Fakten als das werten, was sie sind, nämlich Fakten. Es ist wirklich erstaunlich, dass ein Gläubiger sein ganzes Leben lang beim Thema Religion immer nur wegschauen kann, weil er wegschauen muss. Andernfalls müsste er nämlich aus der Kirche austreten, da der Gott der Kirche überhaupt nicht so ist, wie sie immer wieder behauptet. Wenn ein alles überstrahlender Gott die aufgeführten Eigenschaften wirklich hätte, sie aber nie einsetzt, was für jeden sichtbar der Fall ist, stellt sich natürlich die Frage, ob er sie wirklich hat und auch einsetzen will, oder ob es ihn überhaupt gibt. Wenn es einen Gott gäbe, der tatsächlich unsere Welt lenkt, so ist er nach aller Erfahrung weder allmächtig noch allgütig, weder allbarmherzig noch allgerecht. Und dass er uns Menschen liebt, kann man auch nicht gerade behaupten. Anders lassen sich die Fakten auf der Welt nicht interpretieren, das Leid von Menschen auf unserer Welt ist teilweise unbeschreiblich groß. Wäre aber der Weltenlenker der Teufel, wie ihn die Kirche definiert, dann wäre sofort einzusehen, dass er weder allgütig, allbarmherzig noch allgerecht ist, und dass er uns sicherlich nicht liebt.

Im Dezember des Jahres 2016 stürzte in der nigerianischen Stadt Uyo das Dach einer christlichen Kirche ein, in der Hunderte Gläubige an einer Bischofsweihe teilnahmen. Mehr als 200 Menschen starben dabei. Eine Kirche ist ein Gotteshaus, also das Haus eines Gottes. Wie kann es ein allmächtiger Gott, der die Menschen lieben soll, zulassen, dass viele Gläubige ihr Leben lassen mussten, nur weil sie sein Haus besuchten? Dies berührt die christliche Überzeugung existenziell, obwohl die Medien schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen sind. Und man fragt sich, ob Vertreter der Kirche ihren Einfluss, den sie unzweifelhaft besitzen, dazu genutzt haben, die Medien zu bewegen, das zu tun. Für einen logisch denkenden Menschen ist dieser Einsturz eines Gotteshauses schlicht ein Beweis dafür, dass die Allmacht des Christengottes zum wiederholten Male nichts anderes als eine Tatsachenbehauptung ist, die durch keinerlei Tatsachen gestützt wird. Auch Gläubige können das nicht anders sehen, sofern ihre Augen sehen wollen.

Die Kirche wird dazu sagen, dass ihr Gott den Menschen ihren freien Willen gelassen habe, und deswegen, sozusagen aus bautechnischen Gründen, dieses Gotteshaus dann eingestürzt sei. Etwa hätte der Architekt schlecht gearbeitet. Sie vergisst dabei, dass durch die Eigenschaft der Allwissenheit, die auch für das Zukünftige gelten soll, der Mensch sich immer so entscheiden muss, wie es sein Gott vorausgesehen hat. Der Mensch kann sich nicht mehr anders entscheiden und hat somit keinen freien Willen mehr. Gott legt also fest, was passieren wird. Außerdem hätte der Gott in dem Fall das unsagbare Leid der Kirchenbesucher vorausgesehen, offenbar lässt seine Allgüte so etwas zu.

Letzte Änderung: 08.02.2017

Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.

Die Mitteilung sollte relativ kurz und prägnant sein und kann über die Kontaktseite oder als Leserbeitrag in Eingabeformular am Ende dieser Seite versendet werden.

Leserbeiträge

  1. Beitrag von Heinz Polaczek

    Ich sehe das genau so, da ich seit vielen Jahren auch Medienberichte zu den weltweiten großen Naturkatastrophen verfolge. Da werden einzelne Überlebende, die ihren kärglichen Besitz und all ihre Familienmitglieder verloren haben und nur noch das besitzen was sie auf dem Körper tragen, vor Fernsehkameras geholt um den Reportern zu erklären »das sie sich bei ihrem Gott bedanken, dass er ihnen weiter das Leben geschenkt hat«.
    Bei dem schweren Erdbeben in Italien im Herbst 2016, waren die Benediktiner betroffen. Ihr Kloster, ihre Kathedrale und die Bibliothek stürzten ein. Vor den Fernsehkameras bedankten sich die Nonnen dann bei ihrem Gott dass er sie hat überleben lassen und sie noch einige hl. Bücher retten konnten.
    An diesen Beispielen sieht man, dass nur das Wissen über die Natur und folglich die Umsetzung in logische Verhaltensregeln helfen kann. Nur so kann die Bevölkerung sich vor Naturkatastrophen schützen und nicht durch Gebete, die keinen Empfänger finden.

    Erstellt am 08.02.2017

Verfassen Sie einen eigenen Beitrag

Nach einer Überprüfung durch Prof. Dr. Uwe Hillebrand werden logische Widersprüche von kirchlichen Argumenten auch unter Ihrem Namen auf dieser Webseite veröffentlicht.

Klicken Sie auf Vorschau um eine Vorschau Ihres Beitrages anzuzeigen.